Therapeutisches Klonen Anhaltende Diskussion in Deutschland

Nach Ansicht des Direktors am Institut für Biochemie der Technischen Universität Darmstadt, Hans Gassen, sollte nach der Freigabe in Großbritannien auch in Deutschland das therapeutische Klonen zugelassen werden.


Frankfurt am Main - Damit würden sich hier zu Lande ebenfalls Wege zum Besiegen von bislang als unheilbar geltenden Krankheiten öffnen, sagte der Wissenschaftler in einer Diskussion des Hessischen Rundfunks am Samstag. Ohne Zulassung des therapeutischen Klonens müssten die Patienten und Wissenschaftler in Deutschland auf ausländische Entwicklungen zurückgreifen und dafür teuer bezahlen.

Die Diskussion um Für und Wider des therapeutischen Klonens geht in Deutschland weiter
AP

Die Diskussion um Für und Wider des therapeutischen Klonens geht in Deutschland weiter

Dagegen lehnte der Professor für Innere Medizin an der Bonner Universität, Linus Geisler, und die Politikwissenschaftlerin an der Universität Hamburg, Ingrid Schneider, das therapeutische Klonen ab. Nach Ansicht beider Wissenschaftler, die auch Mitglieder der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" des Bundestages sind, gibt es genügend alternative Methoden zur Krankheitsbehandlung.

Auch der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, hat erneut das therapeutische Klonen mit embryonalen Stammzellen abgelehnt. Der Chef des Klinikärzteverbandes sagte der "Welt am Sonntag": "Wir halten das therapeutische Klonen für eine Fehlentwicklung, die allein aus Interessen einer sehr wirtschaftsorientierten Politik heraus gemacht wird. Fehlentwicklung deswegen, weil beim therapeutischen Klonen erstens Embryonen, also andere Menschen gebraucht, getötet und weggeworfen werden." Montgomery geht außerdem davon aus, dass eine Züchtung von Embryonen die Medizin und vor allem Patienten mit Autoimmunkrankheiten, wie Diabetes nicht voranbringen wird.

Es sei heute noch überhaupt nicht erkennbar, ob diesen Kranken hiermit geholfen werden könne. "Selbst die größten Optimisten der Stammzellenforschung gehen nicht davon aus, dass wir vor einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren am Patienten anwendbare Ergebnisse haben werden", sagte er. "Wir gehen in eine Sackgasse hinein, wenn wir jetzt die embryonalen Stammzellen nehmen, statt die adulten Stammzellen-Entwicklung fortzuführen", sagte der Verbandspräsident. Das Britische Unterhaus hatte am 19. Dezember entschieden, das Klonen von bis zu 14 Tage alten Embryos für therapeutische Zwecke zu erlauben.



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