Therapie Cannabis-Spray lindert Schmerzen

Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, kann mit Bestandteilen der Cannabis-Pflanze geholfen werden. Eine Studie, in der die pflanzlichen Stoffe mit einem Spray verabreicht wurden, zeigte erstaunliche Erfolge.


Cannabis-Pflanze: Extrakte könnten chronische Schmerzen lindern
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Cannabis-Pflanze: Extrakte könnten chronische Schmerzen lindern

Ständige Schmerzen machen mürbe. Sie rauben den Schlaf. Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, konnte auch die moderne Medizin bisher nur wenig Linderung verschaffen. Ein Spray mit Extrakten aus der Cannabis-Pflanze könnte nun dem Martyrium ein Ende bereiten, sagt der britischen Mediziner William Nortcutt vom James Paget Hospital in Gorleston.

Nortcutt stellte am Montag auf einem Kongress der British Association for the Advancement of Sciences die Ergebnisse einer Studie mit 23 Schmerzpatienten vor. Die Therapie mit der Cannabis-Pflanze zeigte bei den Teilnehmern erstaunliche Erfolge: 17 von ihnen nutzen das Präparat auch nach der Studie, um ihre Schmerzen zu lindern. Nur bei fünf Patienten stellte sich während der Behandlung keine Besserung ein oder sie musste wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden.

"Für manche bedeutete die Therapie eine große Erleichterung, andere sagten, dass sie nun wenigstens schlafen könnten", berichtete Nortcutt dem Fachblatt "Nature". "Aber wenn man unter chronischen Schmerzen leidet, ist das Wichtigste, überhaupt schlafen zu können."

Die Behandlung von Dauerschmerzen mit Cannabis wurde schon mehrfach versucht. Ein echter Durchbruch konnte aber bisher noch nicht erzielt werden. Bisher wurden Extrakte der Pflanze meist in Pillenform verabreicht. Doch das ist, wie Experten auf dem Kongress sagten, ein eher unzuverlässiger Weg. Nortcutts Idee, die Substanz den Patienten unter die Zunge zu sprühen, könnte Abhilfe schaffen.

Trockener Mund durch Cannabis

Der Mediziner verwendete in seiner Studie im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen kein pures Tetrahydrocannabinol, sondern mischte den Stoff mit einer weiteren, weniger psychoaktiven Substanz aus der Cannabis-Pflanze. Als häufigste Nebenwirkung klagten Nortcutts Patienten über einen trockenen Mund. Auf der Suche nach der richtigen Dosierung litten manche allerdings auch unter Panikattacken oder wurden high.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer von Nortcutts Studie litt unter Multipler Sklerose. Die anderen Patienten hatten durch Nervenschäden oder Verletzungen des Rückenmarks ständige Schmerzen.

William Nortcutt sprach sich auf dem Kongress dafür aus, Cannabis-Präparate in Großbritannien möglichst schnell zu legalisieren. So könnte das normalerweise sechsjährige Zulassungsverfahren für Arzneimittel erheblich verkürzt werden. "Wir müssen anerkennen, dass Cannabis schon seit 5000 Jahren verwendet wird", sagte der Mediziner. Es sei allerdings noch viel Arbeit nötig, um die schmerzlindernde Wirkung der Pflanze weiter zu erforschen.



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