Tierische Gefühle Für deprimierte Ratten ist der Napf halb leer

Deprimierten Ratten geht es nicht anders als mies gelaunten Menschen: Ist die Stimmung einmal im Eimer, vergeht die Lust an allem. Forscher wiesen jetzt nach, dass auch bei Nagern die Gefühlslage bestimmt, wie neutrale Informationen bewertet werden.


Ratten: Ist die Stimmung einmal am Tiefpunkt, kann sie so schnell nichts aufheitern
DDP

Ratten: Ist die Stimmung einmal am Tiefpunkt, kann sie so schnell nichts aufheitern

Sind sie verunsichert, reagieren Ratten ähnlich wie Menschen: Das Glas - oder in diesem Fall der Fressnapf - ist halb leer statt halb voll. Fühlen sich die Nager in ihrer Umwelt unwohl, erwarten sie eher negative Erlebnisse. Emotional ausgeglichene Tiere verbinden neutrale Reize dagegen eher mit positiven Erfahrungen, schreiben britische Forscher im Fachblatt "Nature".

Emma Harding und ihre Kollegen von der University of Bristol brachten ihren Testnagern bei, mit zwei verschiedenen Tönen positive oder negative Erfahrungen zu assoziieren. So lernten die Tiere, bei einem bestimmten Ton eine Taste zu drücken, um damit eine Futterration zu erhalten. Erklang ein anderer Ton, folgte dem Druck auf die Taste keine Belohnung, sondern ein für die Tiere äußerst unangenehmes Geräusch.

Dann wurden bei einem Teil der Ratten die Haltungsbedingungen geändert: Während einige Tiere unter normalen Bedingungen in ihren Käfigen blieben, dachten sich die Forscher für die anderen immer neue Gemeinheiten aus. Sie kehrten den Hell-Dunkel-Zyklus im Käfig um, setzten die Ratten in eine fremde Umgebung oder feuchteten die Streu im Käfig an. Anschließend spielten die Wissenschaftler den Ratten Töne vor, deren Tonlage genau zwischen denen der erlernten Töne lag.

Die Ratten, die durch die ärgerlichen Überraschungen in ihrer Behausung verunsichert waren, zeigten sich deutlich misstrauischer als ihre zufriedenen Artgenossen. Schallte der für sie eigentlich neutrale Ton durch den Käfig, entschieden sie sich aus Angst vor negativen Konsequenzen viel häufiger gegen das Drücken der Taste. Auch zögerten sie länger mit der Entscheidung, ob sie reagieren sollten oder nicht.

Dieses Verhalten deute auf einen sehr engen Zusammenhang zwischen dem emotionalen Zustand der Tiere und der Art, wie sie auf neue Informationen reagieren, schreiben die Forscher. Auch zeigten die Ergebnisse, wie stark die Haltungsbedingungen die Gefühle der Ratten beeinflussen.



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