Tierische Organspender Forscher pflanzen Menschen-Gen in Schweinesperma

Eine neue Technik soll Transplantationen vom Schwein zum Menschen erleichtern. Aus manipuliertem Sperma züchteten Wissenschaftler Tiere, deren Organe von der Immunabwehr weniger stark abgestoßen werden.


Schweine: Hoffnung auf tierische Organspender
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Schweine: Hoffnung auf tierische Organspender

Neue Experimente geben Forschern Hoffnung, eines Tages Schweine als Organspender einsetzen zu können. Hauptproblem bei der so genannten Xenotransplantation ist die Abstoßung des tierischen Gewebes durch das menschliche Immunsystem. Um das zu vermeiden, hat ein italienisches Team ein menschliches Gen in Schweinesperma eingebaut.

Mit den manipulierten Samenzellen konnte die Gruppe Schweine züchten, deren Organe beim Menschen eine weniger starke Abstoßungsreaktion hervorrufen sollten. Ihr Verfahren stellen die Wissenschaftler um Marialuisa Lavitrano von der Universität Mailand in der aktuellen Ausgabe des US-Fachblatts "Proceedings of the National Academy of Sciences" vor.

Samenzellen können fremde Erbsubstanz auf natürliche Weise aufnehmen. Lavitrano und ihre Kollegen nutzten diese Fähigkeit aus: Sie brachten in einer Nährlösung frisches Schweinesperma mit dem menschlichen hDAF-Gen in Kontakt. Dieses Erbmerkmal sorgt dafür, dass Zellen nicht vom Immunsystem des Menschen angegriffen werden.

Von den 93 Ferkeln, die das Team aus diesem Sperma züchtete, wiesen 57 Prozent tatsächlich die menschliche DNS-Sequenz auf. Wie die Forscher zeigen konnten, war das Gen in vielen Gewebetypen aktiviert, darunter auch im Herz, der Lunge und den Nieren. Schweinezellen, in denen das entsprechende Protein produziert wurde, waren resistent gegen Angriffe des menschlichen Immunsystems.

Bei bisherigen Versuchen, solche transgenen Schweine zu erzeugen, war das fremde Erbgut meist aufwendig per Mikroinjektion in befruchtete Eizellen übertragen worden. Mit einer Erfolgsquote von nur vier Prozent sei diese Methode jedoch sehr ineffizient und teuer, urteilen die Forscher. Die neue Technik sei dagegen effektiv und preisgünstig, zudem ließen sich damit besonders viele Versuchstiere gleichzeitig behandeln.



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