Tierseuche Erste Vogelgrippe-Fälle in Frankreich

Das Vogelgrippe-Virus sorgt nicht nur in Deutschland für Unruhe. Erstmals wurde der gefährliche Erreger auch in Frankreich festgestellt. Die bedrohliche Tierseuche hat außerdem Indien erreicht.


Paris - Der Vogelgrippe-Erreger wurde am Samstag das erste Mal auch in Frankreich bestätigt. Laboruntersuchungen hätten ergeben, dass eine im Südosten des Landes gefundene tote Ente mit dem gefährlichen Virus infiziert gewesen sei, erklärte das Landwirtschaftsministerium. Die Ente war am Montag nahe Lyon entdeckt worden. Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass das Tier mit einem H5-Virus infiziert war, die genaue Bestimmung des Erregers folgte am Samstag. In ganz Frankreich gilt bereits seit Mittwoch eine Stallpflicht für Geflügel.

Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau kündigte an, die Vogelgrippe werde Thema beim EU-Agrarminister-Treffen am Montag in Brüssel sein. "Das Virus ist zu 99 Prozent identisch mit dem Erreger asiatischen Ursprungs", teilte das Landwirtschaftsministerium in Paris mit. Behördenvertretern zufolge wurde um den Fundort des Vogels gemäß den EU-Vorgaben eine Schutzzone von drei Kilometern eingerichtet. Veterinäre untersuchten die Vögel innerhalb dieses Gebiets. Minister Bussereau sagte, am Mittwoch würden rund 900.000 Tiere gegen Vogelgrippe geimpft. In 15 Fällen würden Wildvögel in Frankreich derzeit noch wegen Vogelgrippe-Verdachts untersucht, ergänzte er.

Auch in Indien herrscht Vogelgrippe-Alarm. Dort wurde das H5N1-Virus erstmals bei toten Vögeln in einem Dorf rund 300 Kilometer von Bombay entfernt festgestellt, bestätigte das Tierseuchen-Institut der Stadt Bhopal. Betroffen war eine Hühnerfarm mit 200.000 Tieren in Nandurbar. Mindestens 5000 Hühner seien dort gestorben. Die indischen Behörden befürchten nun auch erste Fälle beim Menschen. Mehrere Menschen würden auf das gefährliche H5N1-Virus getestet, vier seien unter Beobachtung im Krankenhaus, sagte Gesundheitsminister P. Hota dem Nachrichtensender NDTV am Samstag. Die Ergebnisse vom Virologischen Institut würden in drei bis vier Tagen erwartet.

In Indonesien starb erneut ein Mensch an dem aggressiven Virustyp. Der 23-jährige Händler habe häufig Kontakt mit Geflügel gehabt, teilte das Gesundheitsministeriums in Jakarta mit. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesfälle durch die Vogelgrippe in Indonesien auf 19.

In Österreich sind am Samstag in der Nähe von Wien zwei weitere Fälle des auch für Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Erregers entdeckt worden. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, stieg damit die Zahl der in der Alpenrepublik nachgewiesenen H5N1-Infektionen auf sieben. Ministerin Maria Rauch-Kallat sagte, das H5N1-Virus sei in einem Schwan im Wiener Vorort Donaustadt sowie in einer Ente im nahegelegenen Bundesland Niederösterreich nachgewiesen worden.

Die Ministerin teilte mit, die Schutzzone, die nach ersten Vogelgrippe-Nachweisen in dieser Woche im Süden des Landes errichtet worden war, sei nach den neuen Funden auf das gesamte Land ausgeweitet worden. Damit herrscht im gesamten Österreich Stallpflicht für Geflügel. Die endgültige Bestätigung der neuen Funde muss noch vom EU-Referenzlabor im britischen Weybridge erfolgen.

In Deutschland hat sich der Erreger mittlerweile auf der gesamten Ostseeinsel Rügen ausgebreitet. Die Zahl der Vogelgrippe-Fälle dort stieg auf 41.

fok/dpa/Reuters/ap/

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