Tierversuch-Alternativen Im Zweifel für den Tod

Deutscher Tierschutzbund

Von Nora Somborn

2. Teil: Wie eine einzelne Methode viele Tiere retten könnte


Vor allem auf eine Alternativmethode richtet die Forscherzunft jetzt ihre Hoffnungen: Die Rede ist von der sogenannten erweiterten Ein-Generationen-Studie. Seit dem Contergan-Skandal werden in Zwei-Generationen-Studien viele Chemikalien standardmäßig bis in die Enkelnachkommen der Versuchstiere getestet, um eine fruchtschädigende Wirkung wie etwa bei Contergan auszuschließen. Laut Hartung umfassen diese Versuche rund 70 Prozent der Kosten und rund 90 Prozent des Tierverbrauchs.

Die Idee der erweiterten Ein-Generationen-Studie ist einfach: Die Forscher lassen die Enkelgeneration weg und untersuchen stattdessen die Töchter und Söhne genauer. Laut Hartung könnte auf diese Weise der Tierverbrauch für die Reach-Tests in Europa auf ein Fünftel reduziert werden. "Bei gründlicher Untersuchung der ersten Generation liefert die zweite Generation keine neuen Erkenntnisse mehr", meint auch BASF-Mann Landsiedel.

Die USA holen auf

Die OECD-Staaten beraten derzeit, ob sie die neue Methode als Alternativverfahren anerkennen. "Es ist Wahnsinn, wenn diese Methode nicht möglichst schnell eingesetzt wird", sagt Hartung. Auch Zebet-Forscher Liebsch bestätigt: "Ohne die erweiterte Ein-Generationen-Studie ist Reach nicht durchführbar." Spätestens bis zum 1. Dezember müsse in der Europäischen Union die Entscheidung für die neue Methode fallen, denn dann endet die Registrierungsfrist für viele Altchemikalien.

Die EU war bisher durchaus ein Vorreiter in Sachen Labortierschutz. Die Tierversuchsrichtlinie von 1986 hat wichtige Maßstäbe gesetzt. Seither ist allerdings nicht mehr viel passiert. Eine neue Richtlinie steckt immer noch im Novellierungsprozess.

Ausgerechnet die USA, in deren Tierschutzgesetz von 1967 Mäuse und Ratten überhaupt nicht als schützenswert aufgenommen sind, könnten nun nachziehen. "Hier findet im Moment eine Revolution statt", sagt Hartung. Die Forschung an Alternativverfahren erlebe einen richtigen Boom. Er selbst setzt sich für ein großes Toxikologie-Projekt ein, bei dem die Auswirkungen von Substanzen auf verschiedene Zellen des menschlichen Körpers in einem großen Datensatz zusammengefasst werden sollen.

Auch in den USA steht vermutlich demnächst eine Reach-ähnliche Chemikalientestung an. Eine Reform des altes Chemikaliengesetztes Toxic Substance Control Act (Tosca) wird diskutiert. Dabei soll Hartung zufolge aber schon im Vorfeld festgelegt werde, mit welchen Alternativmethoden die Test durchgeführt werden sollen.

Die Forschung an schonenden Verfahren gewinne in Politik und Industrie an Stellenwert. "Nicht aus einer großen Tierliebe heraus", betont Hartung, "sondern weil Versuche mit menschlichen Zellen besser, schneller und billiger sind." Das immerhin ist ein Hoffnungsschimmer für die Versuchstiere.

insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
PJ_Gordon 29.03.2010
1. tierverbrauch
alles richtig soweit, hab damit auch im studium zutun... aber: man könnte mal vielleicht auch anprangern, wieviele tiere dem verzehr zum opfer fallen. das sind ganz andere zahlen, da wird es einem schlecht... und wenn es zu fast food kein fleisch mehr gibt sondern tofu merkt das vom geschmack gar keiner. ich habs ausprobiert...
zulthak 29.03.2010
2. .
Zitat von PJ_Gordonalles richtig soweit, hab damit auch im studium zutun... aber: man könnte mal vielleicht auch anprangern, wieviele tiere dem verzehr zum opfer fallen. das sind ganz andere zahlen, da wird es einem schlecht... und wenn es zu fast food kein fleisch mehr gibt sondern tofu merkt das vom geschmack gar keiner. ich habs ausprobiert...
Ich möchte ihnen widersprechen. Man schmeckt den Unterschied nicht, solange der Tofu keine Geschmacksstoffe bekommt. Ehrlich gesagt sind Menschen nunmal auch Fleischesser, wer damit nicht Leben kann hat Pech, ich sage Leuten ja auch nicht das sie keine Tomaten essen dürfen, denn wir wissen ja, Pflanzen sind auch Lebewesen :-)
KHHS 29.03.2010
3. Hinweise
@zulthak: Ihre Antwort enthält mehrere Fehler bzw. Ungenauigkeiten: 1. Man schmeckt den Unterschied vor allem dann, wenn Tofu keine Geschmacksstoffe bekommt. 2. Menschen sind keine Fleischesser, sondern Omnivoren, sprich: sie haben die Wahl und können auf Fleisch verzichten. 3. Pech haben in erster Linie die Tiere, die für den Verzehr mißhandelt werden. 4. PJ_Gordon hat nicht gesagt, dass Sie kein Fleisch essen dürfen, sondern Tofu essen könnten. 5. Dass Pflanzen auch Lebewesen sind, hat mit dem Thema ebenso wenig zu tun, wie die Tatsache, dass ein Heizkörper auch warm sein kann. Aber ich glaube, eigentlich wollen Sie es gar nicht so genau wissen...
christiewarwel 29.03.2010
4. Schon mal daran gedacht....
Forschung an Versuchstieren kostet Geld. Viel Geld. Und Geld gibt es in der Forschung immer zu wenig. Forschung an Versuchstieren macht Arbeit, viel Arbeit. Und Arbeit gibt es sowieso in der Forschung immer mehr als man in 30 Stunden den Tag, 10 Tagen die Woche und 16 Wochen den Monat schaffen kann. Forschung an Versuchstieren ist unangenehme Arbeit. Sehr unangenehme Arbeit. Die Geruchsbelastung ist hoch, das Allergierisiko noch viel hoeher und das Toeten von Versuchstieren alles andere als lustig. Trotzdem muss es jemand machen. Weil es nun mal Dinge gibt, die man nicht in der Zellkultur untersuchen kann. Haben Sie schon mal versucht, Sozialverhalten oder Lernverhalten in Zellen zu analysieren? Ich bin mir sicher, die Ergebnisse werden hoechst relevant fuer Autismus- und Alzheimerpatienten sein. Aber wir schreiben ja alle gerne Antraege fuer die Genehmigung von Tierversuchen, da wir ja ohnehin sonst nichts zu tun haben. Und Buerokratie soviel Spass macht. Und wir lassen uns am allerliebsten von Tierschuetzern erzaehlen, was fuer miese Typen wir sind. Und wenn diese Tierschuetzer dann doch mal zum Arzt muessen, dann verzichten sie natuerlich freiwillig auf all die Erkenntnisse und Medikamenten, die aus Tierversuchen hervorgegangen sind. Keiner macht Tierversuche, wenn es auch anders geht, nur in letzter Instanz geht es eben nicht. Eine Substanz, die die Zellen der Lunge beim Bespruehen nicht schaedigt, kann immernoch viel Schaden anrichten, wenn sie erstmal an andere Orte gelangen kann, z.B. in Nervenzellen. So kann man vielleicht eine Vorauswahl durchfuehren, aber den Tierversuch ersetzen kann man letztlich nicht -ausser durch den Menschenversuch, nur, wer moechte das schon? Und wieviele Pleiten und Pannen gibt es trotz allem immer wieder in (vor)klinischen Studien?
HerrDerSchatten, 29.03.2010
5. re
Und? Lieber ein Tier als ein Mensch.
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