Hamburg Behörde schließt weiteres LPT-Tierversuchslabor

Ein umstrittenes Tierversuchslabor in Niedersachsen ist bereits geschlossen, nun muss auch ein LPT-Standort in Hamburg dichtmachen. Die Behörden halten den Betreiber für nicht zuverlässig im Umgang mit Tieren.
Protest gegen LPT (im Oktober 2019): Das Unternehmen muss nun auch ein Labor in Hamburg schließen

Protest gegen LPT (im Oktober 2019): Das Unternehmen muss nun auch ein Labor in Hamburg schließen

Foto: Bodo Marks/ dpa

Einen Monat nach Schließung des umstrittenen LPT-Tierversuchslabors im niedersächsischen Neu Wulmstorf muss auch das Labor der Firma am Hamburger Hauptsitz in Neugraben schließen. Die Gesundheitsbehörde entzog der Firma am Freitag "mit sofortiger Wirkung" die Erlaubnis zur Tierhaltung.

Nach sorgfältiger Prüfung sei die tierschutzrechtliche Zuverlässigkeit des Betreibers aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie weiterer Verstöße gegen Dokumentations- und Genehmigungspflichten nicht mehr gegeben, erklärte  Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Tierschützer hatten im Oktober aufgedeckt, dass in dem Labor in Neu Wulmstorf Hunde und Affen bei Versuchen misshandelt wurden. Ein Aktivist hatte sich als Mitarbeiter eingeschlichen und Aufnahmen von schreienden Affen und blutverschmierten Hunden gemacht. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen Verstößen gegen den Tierschutz und ließ das Labor Ende November durchsuchen. Das Unternehmen erklärte sich nach Gesprächen mit den Behörden bereit, den Standort zu schließen.

Grünenpolitikerin spricht von "überfälliger Notwendigkeit"

Grundlage der Entscheidung in Hamburg seien auch die Ermittlungen gewesen, hieß es. Damit Widerruf der Erlaubnis zur Tierhaltung rechtssicher habe erfolgen können, habe man Akten und Informationen der Staatsanwaltschaft sowie den Bescheid des Landkreises Harburg über den LPT-Standort in Niedersachsen sorgfältig auswerten müssen, sagte Prüfer-Storcks. "Nun muss eine tierschutzgerechte Unterbringung für die Tiere sichergestellt werden." Im Gegensatz zum Standort Neu Wulmstorf handele es sich bei den Versuchstieren in Hamburg-Neugraben in erster Linie um Mäuse und Ratten, sagte die Senatorin.

"Der Entzug der Tierhaltungserlaubnis für das Hamburger Labor ist eine überfällige Notwendigkeit", sagte die Hamburger Tierschutzexpertin der Grünenfraktion, Christiane Blömeke. "Ich erwarte, dass die Schließung zweier LPT-Standorte nun auch Auswirkungen auf den verbleibenden Standort in Schleswig-Holstein hat." Unklar sei weiterhin, "welche Auswirkungen die Manipulation von Testreihen in den Laboren von LPT auf die Zulassung von Medikamenten hatte", so Blömeke.

chs/dpa
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