Tod am Berg Ältere Mount-Everest-Alpinisten verunglücken besonders häufig

Der höchste Berg der Erde fordert unter jenen Bergsteigern besonders viele Opfer, die schon etwas älter sind: Etwa jeder 20. Bergsteiger jenseits des Alters von 60 Jahren kommt laut einer Studie bei einer Expedition zum Mount Everest ums Leben. Doch auch Jüngeren droht am Everest Unheil.


London - Bergsteiger ab 60 Jahren sind besonders gefährdet, vor allem wenn sie das Dach der Welt erklimmen wollen. Unter ihnen gibt es dreimal so viele Todesfälle wie unter jüngeren Mount-Everest-Besteigern. Dies haben Forscher um Raymond Huey von der University of Washington in Seattle in einer Auswertung von Expeditionen zwischen 1990 und 2005 gezeigt. Von den wenigen Bergsteigersenioren, die den Gipfel auch erreichten, kam während des Abstiegs jeder vierte ums Leben.

Mount Everest: Tödliche Falle vor allem für Senioren
REUTERS

Mount Everest: Tödliche Falle vor allem für Senioren

Die Wissenschaftler hatten in ihrer Auswertung auf Daten der heute 83-jährigen Journalistin Elisabeth Hawley zurückgegriffen, die von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu aus seit vielen Jahren akribisch über jede größere Expedition Buch führt und inzwischen eine Datenbank mit mehr als 4000 Expeditionen aufgebaut hat. Die Zahlen dokumentieren für die vergangenen 15 Jahre einen regelrechten Ansturm auf den höchsten Gipfel der Erde, dessen Erstbesteigung sich vor vier Jahren zum 50. Mal jährte. So versuchten zwischen 1990 und 2005 insgesamt 2211 Bergsteiger ihr Glück am Everest.

Obwohl der Gipfel bergsteigerisch keine übermäßigen Anforderungen stellt, machen die große Höhe und das schwer kalkulierbare Wetter den Aufstieg zu einem gewagten Spiel: Nur jeder dritte erreicht überhaupt den Gipfel, und etwa jeder 60. kommt am Berg ums Leben, schreiben die Forscher in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biology Letters" (Online-Vorabveröffentlichung).

Erschöpfung und Kälte seien neben der Höhenkrankheit und dem Risiko eines Absturzes die größten Gefahren. Nachdem die höchsten Berge der Welt viele Jahre lang vor allem ein Ziel junger Bergsteiger waren, machen sich immer mehr Alpinisten jenseits der 40 oder gar 60 Lebensjahre in den Himalaja auf. Viele von ihnen greifen auf die boomenden Angebote organisierter Expeditionen zurück, die zahlungskräftigen Kunden Pauschaltouren zu den höchsten Gipfeln der Welt anbieten.

Doch die Bergerfahrung älterer Alpinisten trägt offensichtlich wenig zum Gipfelerfolg bei, schließen die Forscher aus ihren Zahlen: Bereits ab 40 nimmt die Chance auf den Gipfelerfolg rapide ab, und von den Bergsteigern über 60 erreicht nur noch etwa jeder achte überhaupt den höchsten Punkt der Erde.

Ältere Bergsteiger seien zwar im Schnitt weniger risikobereit als jüngere und hätten schon allein daher weniger Erfolgschancen, erklären die Wissenschaftler. Doch überraschend viele seien den extremen Bedingungen am Berg nicht gewachsen und müssten aufgeben - oder kämen sogar ums Leben.

hda/ddp



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