Tödliche Kraft Das schnellste Geschoss der Welt

Die Schusswaffe der Zukunft braucht kein Pulver: Mit einem Magnetfeld haben Forscher Projektile so stark beschleunigt, wie es sonst nur eine Atombombe könnte.


Kraftpaket: Elektrische Entladungen über dem Z-Beschleuniger
SNL / Randy Montoya

Kraftpaket: Elektrische Entladungen über dem Z-Beschleuniger

Albuquerque - Die Wissenschaftler der Sandia National Laboratories brachten ihre Geschosse auf Geschwindigkeiten, die von herkömmlichen Schusswaffen nicht erreicht werden könnten. Während eine Gewehrkugel normalerweise einen Kilometer in der Sekunde zurücklegt, katapultierten die Forscher die Projektile auf 20 Kilometer pro Sekunde - nahezu das Dreifache der Geschwindigkeit, die zum Überwinden der Erdanziehungskraft benötigt wird.

"Es ist die schnellste Schusswaffe der Welt", lobt der Physiker und Projektleiter Mark Knudson den so genannten Z-Beschleuniger, der den Geschwindigkeitsrekord möglich machte. Forscher des Instituts verwenden den Beschleuniger seit Jahren, um physikalische Extrembedingungen zu simulieren. Mit Hilfe von in Sekundenbruchteilen freigesetzten Stromstößen kann das Kraftpaket in seinem Innern sowohl gewaltige Röntgenblitze erzeugen als auch Temperaturen, die mit denen auf der Sonne vergleichbar sind.

Physiker Knudson mit Testprojektilen: Schneller als jede Gewehrkugel
Randy Montoya

Physiker Knudson mit Testprojektilen: Schneller als jede Gewehrkugel

Für das neueste Experiment nutzte das Team um Knudson die 20 Millionen Ampere starken Entladungen des Z-Beschleunigers, um in kürzester Zeit ein Magnetfeld aufzubauen. Dabei entsteht ein gewaltiger Druck, der die münzgroßen Versuchsgeschosse aus Aluminium vorantreibt. Im Gegensatz zu einem Gewehr, das seine Projektile schockartig beschleunigt, ist der Vortrieb bei diesem Verfahren jedoch zunächst weniger stark - die Forscher vergleichen die Wirkung mit dem sanften Anfahren eines schnellen Fahrstuhls.

Dadurch kann die Apparatur ihre Munition auf einer Strecke von wenigen Zentimetern bis auf 13 Kilometer pro Sekunde beschleunigen, ohne dass sich das Geschoss - wie es bei einer herkömmlichen Schusswaffe der Fall wäre - verformt, verflüssigt oder gar in Dampf verwandelt. An seine Grenzen stößt der Z-Beschleuniger erst bei einer Projektilgeschwindigkeit von 20 Kilometern in der Sekunde: Bei der dafür nötigen stärkeren Beschleunigung erhitzt sich das Aluminium auf über 2000 Grad Celsius und schmilzt.

Von den Versuchen mit dem Z-Beschleuniger erhoffen sich die Forscher wichtige Aufschlüsse über die Einschlagskraft von Hochgeschwindigkeits-Projektilen. In der Raumfahrt etwa ließe sich so besser erproben, wie stabil die Außenhaut eines Satelliten sein muss, um ihn vor Meteoriten zu schützen. Auch das Militär dürfte an der neuen Technologie Gefallen finden: Leichtere Modelle des Z-Beschleunigers könnten extrem schnelle Geschosse abfeuern, die nahezu jede Panzerung durchschlagen.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.