Top-Forscher im Rentenalter Nobelpreisträger Hänsch bleibt in München

Der Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch wird weiterhin in Deutschland arbeiten, auch wenn er demnächst das Rentenalter erreicht. Ein Münchner Magazin hatte fälschlich gemeldet, Hänsch wolle wegen des drohenden Zwangsruhestands in die USA auswandern.


Die Meldung schien wie die Faust aufs Auge zu passen. Erst lehnen Politiker eine vorzeitige Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre ab. Und dann will der deutsche Nobelpreisträger für Physik, Theodor Hänsch, der auf die 65 zusteuert, in die USA auswandern, weil ihm in Deutschland die Zwangspensionierung droht.

Physiker Hänsch: "Ich will nicht auswandern"
DPA

Physiker Hänsch: "Ich will nicht auswandern"

"In diesem Jahr werde ich 65 und soll dann in Rente gehen", sagte der Direktor des Garchinger Max-Planck-Instituts für Quantenoptik in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Focus-Money". "Ich kann höchstens scheibchenweise bis 68 verlängern."

Den Wissenschaftler, der im Dezember den Nobelpreis für seine Arbeiten zur Entwicklung von laserbasierter Präzisionsspektroskopie bekam, ziehe es in die USA, meldete das Magazin. Dort sei die Altersgrenze für Professoren längst abgeschafft. "Da dürfen Sie auch mit 80 arbeiten - wie Roy Glauber, der ebenfalls 2005 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde", wird Hänsch weiter zitiert. Er hoffe, dass "diese dumme Altersgrenze bald abgeschafft wird".

Doch die Meldung stimmt nicht. "Ich will nicht in die USA auswandern", sagte Hänsch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er habe dies auch nicht in dem Interview gesagt, das morgen in "Focus-Money" erscheinen soll. Die vorab von Nachrichtenagenturen verbreitete Meldung decke sich nicht mit dem Inhalt des von ihm autorisierten Gesprächs. 

Er habe zwar tatsächlich mit dem Gedanken "geliebäugelt", in die USA zu gehen, sagte Hänsch SPIEGEL ONLINE. Auch hätten ihm Angebote von US-Universitäten vorgelegen. Er werde jedoch weiter in Deutschland arbeiten.

Dies bestätigte auch der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel. "Das Beamtenrechtsrahmengesetz des Bundes sieht eine Verlängerungsmöglichkeit bis Vollendung des 68. Lebensjahrs vor. Es ist nur selbstverständlich, dass Bayern diese Regelung für Professor Hänsch ausschöpft. Dies haben wir ihm wiederholt versichert." Bayern tue alles, um Hänsch im Land zu halten.

Goppel hatte sich heute mit Hänsch getroffen und ihm erklärt, dass nach dem 68. Lebensjahr zwar keine Verlängerung möglich mehr sei. Dies betreffe aber nur eine Tätigkeit als Beamter, nicht jedoch ein privatrechtliches Beschäftigungsverhältnis. "Jetzt sind die Weichen so gestellt, dass ich hier bleiben kann", sagte Hänsch.



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