Transplantation Frau mit fremdem Gesicht erstmals vor der Kamera
Amiens - Isabelle Dinoire sprach mit Anstrengung, ihre Worte waren nur schwer verständlich, das Blitzlichtgewitter verunsicherte sie spürbar. Dennoch schwärmte die 38-Jährige bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt von den positiven Folgen ihrer Operation, der ersten Verpflanzung eines großen Teils eines Gesichts.
"Mein Leben hat sich geändert", sagte Dinoire, die mit dem Anflug eines Lächelns ihren Ärzten und Psychologen dankte. "Ich habe ein Gesicht wie alle anderen. Ich kann wieder selbst essen und die Lippen bewegen." Sie wolle bald wieder ein normales Leben führen.
Die Französin war im vergangenen Jahr im Schlaf von ihrem Hund angefallen worden und hatte dabei große Teile ihres Gesichts verloren. Bei der Operation am 27. November erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. 15 Stunden brauchten die französischen Chirurgen, um Gefäße, Nerven und Muskelgewebe des Implantats mit dem Gewebe der Empfängerin zu verbinden.
Während der Pressekonferenz in Amiens sprach Dinoire freimütig von ihrer schweren Entstellung und den Minuten nach dem Unfall. "Als ich aufwachte, wollte ich mir eine Zigarette anzünden und verstand nicht, warum ich sie nicht zwischen meinen Lippen halten konnte." Erst bei einem Blick in den Spiegel habe sie mit Entsetzen das Ausmaß ihrer Verstümmelung gesehen.
Sie betonte auch, welche Schwierigkeiten ein Leben mit einer Entstellung bereite. "Ich verstehe alle Menschen, die eine solche Behinderung haben." Nach Angaben ihrer Ärzte befindet sich die Patientin noch immer in intensiver medizinischer Behandlung. Sie selbst sagte, sie nehme starke Medikamente zur Unterdrückung einer Immunreaktion, die eine Abstoßung des fremden Gewebes nach sich ziehen könnte.
Ärzte planen fünf weitere Gesichtstransplantationen
Dinoire wurde bei der Pressekonferenz im Ausbildungskrankenhaus von Amiens von den Ärzten begleitet, die die revolutionäre Operation vorgenommen hatten. Chefchirurg Bernard Devauchelle hatte vor drei Wochen mitgeteilt, seine Patientin habe bei Spaziergängen kaum Aufmerksamkeit erregt.
"Mehr als zwei Monate nach der Operation zeigt sie objektive Zeichen der Wiedergewinnung des Gefühls", sagte Devauchelle. "Das ist herrlich, mehr als wir je zu hoffen wagten." Er zeigte Fotos, wie Dinoire ihre Hand an Kinn und Mund legte. "Jetzt gehört das Transplantat ihr vollständig." Der Heilungsprozess wird noch mehrere Monate erfordern.
Devauchelle verteidigte die Transplantation gegen Kritik. Er zeigte ein Foto der Patientin mit offen liegenden Zähnen ohne Lippen. "Wir waren gleich von der Notwendigkeit des Eingriffs überzeugt." Dann beschrieb er die Rekonstruktion des Gesichts und die stundenlange Übertragung der Nerven, Muskeln und Gefäße. "Das war kein Vergnügen für die Patientin", sagte Devauchelle.
Die französischen Chirurgen planen nun fünf weitere Gesichtstransplantationen. Jean-Michel Dubernard, einer von Dinoires Ärzten, kündigte an, entsprechende Sondergenehmigungen beim französischen Gesundheitsministerium zu beantragen.
mbe/AP/AFP/dpa