Transrapid-Geschichte In sieben Jahrzehnten zur Schwebebahn

Wie auf Luft gleiten, getragen von Magneten und angetrieben von Magneten: Länger als sieben Jahrzehnte mühen sich Ingenieure schon an diesem Prinzip ab. Die Magnetschwebebahn Transrapid ist ein Stück deutsche Technik- und Industriegeschichte zugleich - eine Zeitleiste.

Im Jahr 1934 erhält Hermann Kemper das Reichspatent mit der Nummer 643316 - es beschreibt die Grundlagen einer Magnetschwebebahn.

1969 gibt das Bundesministerium für Verkehr eine Hochleistungs-Schnellbahn-Studie in Auftrag.

1971 stellt die Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) einen Prototypen auf einer knapp 700 Meter langen Teststrecke im oberbayerischen Ottobrunn vor. Die Firma Krauss Maffei nimmt den Transrapid 02 in Betrieb. Er hat vier Sitzplätze, wiegt knapp fünf Tonnen und erreicht 90 Stundenkilometer.

1972 wird in Erlangen ein 900 Meter langer Rundkurs als Erprobungsstrecke gebaut. Die Firmen AEG-Telefunken, BBC und Siemens entwickeln ein Schwebesystem mit Spulen aus Supraleitern.

1973 nimmt Krauss Maffei den Transrapid 04 in Betrieb.

1974 erreicht das unbemannte Versuchsfahrzeug "Komet" eine Geschwindigkeit von 401 Stundenkilometern - mit einer alternativen Magnetschwebetechnik.

1977 entscheidet sich der Bundesforschungsminister für diese Technik, den Langstator-Linearmotor. Die Arbeit an der Erlangener Technik wird eingestellt.

1978 wird das Industriekonsortium Magnetbahn Transrapid gegründet. Als Standort für eine Teststrecke entscheidet man sich für das Emsland.

1979 befördert der Transrapid 05 bei der Internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg über 50.000 Passagiere - über einen Fahrweg von 900 Metern.

1983 wird das Versuchsfahrzeug "TR 06" in Betrieb genommen.

1984 ist die Nordschleife der Teststecke im Emsland nach vier Jahren Bauzeit fertig.

1985 beginnt der Bau der Südschleife im Emsland, sie hat eine Länge von zehn Kilometern.

1987 fährt der Transrapid 06 auf den insgesamt über 31,8 Kilometern im Emsland 392 Stundenkilometer schnell. Es ist die größte Versuchsstrecke dieser Art in der Welt.

1989 beschließt die schwarz-gelbe Bundesregierung den Bau einer Transrapid-Strecke zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn. Dieser Plan wurde bislang nicht umgesetzt.

1991 stellen die Deutsche Bundesbahn und Ingenieure von Universitäten die uneingeschränkte technische Einsatzreife der Magnetschwebebahn fest.

1992 beschließt die Bundesregierung eine 300 Kilometer lange Magnetbahn-Verbindung zwischen Hamburg und Berlin im Bundesverkehrswegeplan.

1993 stellt der Transrapid 07 im Emsland einen Geschwindigkeitsrekord von 450 Stundenkilometern auf.

1998 wird das Raumordnungsverfahren für eine 292 Kilometer lange Trasse Hamburg-Berlin abgeschlossen - umgesetzt wird der Plan nie.

1999 wird das Vorserienfahrzeug Transrapid 08 an die Versuchsanlage im Emsland geliefert. Der TR08 hat eine Gesamtlänge von 78,8 Metern, 92 Sitzplätze in den End- und 127 in den Mittelsektionen. Seine betriebliche Höchstgeschwindigkeit wird mit 500 Stundenkilometern angegeben.

2000 nimmt die Transrapid-Teststrecke im Emsland als sogenanntes dezentrales Objekt an der Expo 2000 teil, die in Hannover stattfindet.

2001 schließen die Stadt Shanghai und ein Industriekonsortium aus Siemens, ThyssenKrupp und Transrapid International den Vertrag über die Flughafenanbindung per Magnetschwebebahn. Im März beginnt der Bau.

Ende 2002 hat der Transrapid in Shanghai seine Jungfernfahrt auf der ersten für den kommerziellen Betrieb gebauten Strecke. Ein Jahr später nimmt diese den Regelbetrieb auf.

2003 beginnt das Planfeststellungsverfahren für die Anbindung des Münchner Flughafens an die Innenstadt per Magnetschwebebahn - es soll die erste kommerzielle Anwendung in Deutschland werden.

2005 wird der Transrapid für den automatischen Betrieb zugelassen. Auf der Versuchsanlage im Emsland darf die Schwebebahn ab nun führerlos fahren. Im November 2005 nimmt die Große Koalition die Vereinbarung in den Koalitionsvertrag auf, mindestens eine der geplanten Transrapidstrecken (NRW oder Bayern) in Deutschland zu bauen.

Im Juni 2006 fährt der siebenmillionste Passagier mit dem Transrapid in Shanghai.

Am 22. September 2006 ereignet sich auf der Teststrecke im Emsland ein schwerer Unfall. Mehrere Insassen sterben.

stx

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