Treibhauseffekt Ist Kohlendioxid gar kein Klimakiller?

Was war zuerst da, die Temperaturerhöhung oder das Kohlendioxid? Ein Bochumer Forscher rüttelt an der gängigen Meinung zur Erderwärmung.


Bochum - An der Rolle des Kohlendioxids als Klimakiller hat Jan Veizer erhebliche Zweifel geäußert. Neue Untersuchungen von Millionen Jahre altem, fossilem Material und von antarktischen Eiskernen zeigen nach Ansicht des in Ottawa und Bochum lehrenden Professors, dass in den vergangenen 500.000 Jahren ein Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre einem Temperaturanstieg nicht vorausging, sondern folgte. Klare Auswirkungen auf das nachfolgende Klima habe dagegen ein Wechsel der Temperaturen im Meerwasser.

Treibhaus Erde: Kohlendioxid soll nicht die Hauptursache für Klimaveränderungen sein
ESA

Treibhaus Erde: Kohlendioxid soll nicht die Hauptursache für Klimaveränderungen sein

Entgegen der landläufigen Annahme, dass ein Anstieg der Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid eine höhere Durchschnittstemperatur nach sich ziehe, scheine in geologischen Zeitskalen vermutlich nicht das CO2 der Hauptantrieb für Klimaänderungen zu sein, schreibt Veizer in einem Beitrag für die kommende Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature".

Atmosphärisches Kohlendioxid scheine eher ein Symptom als die Ursache von Klimaveränderungen zu sein. Unbestritten sei CO2 ein Treibhausgas, seine Rolle als Klimatreiber ist aber vermutlich begrenzt.

Außerdem bestehe ein sehr komplexer Zusammenhang zwischen der Konzentration von Kohlendioxid und Wasserdampf in der Atmosphäre und der Aufnahme von CO2 durch Pflanzen bei der Photosynthese. Die Wasserdampf-Konzentration bestimme, wie viel CO2 die Pflanze aufnehmen könne. Vermutlich spiele Wasserdampf nicht nur beim natürlichen, sondern auch bei dem vom Menschen verursachten Treibhauseffekt eine dominante Rolle.

Die Wechselwirkungen der Treibhausgase seien vielfältig, betonte Veizer. Es sei kaum abzuschätzen, welche Folgen einseitiges Eingreifen in das System in der Zukunft haben werde. So würden zum Beispiel große Hoffnungen auf den Energieträger Wasserstoff gesetzt, ohne dass bekannt sei, wie das Nebenprodukt Wasserdampf das Gesamtsystem beeinflusse.

Allerdings: Emissionen zu senken, sei und bleibe wichtige Aufgabe, betonte der Wissenschaftler. Doch sich ausschließlich auf einen "Sündenbock" zu konzentrieren, könnte den Blick verstellen für die Komplexität der natürlichen Prozesse. In der Klima-Diskussion sollte das zukünftig mehr berücksichtigt werden.



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