Ukraine Kaum Löscherfolge bei Tschernobyl-Bränden

Über 1400 Helfer sind im Einsatz, mehr als 400 Kilometer Brandschutzschneisen haben sie schon in den Wald geschlagen - so melden es ukrainische Behörden. Doch die Feuer bei Tschernobyl schwelen immer noch.
Brennendes Holzhaus in der Gegend von Tschernobyl (am 18. April 2020): Häufig war Brandstiftung Ursache für die Brände in der Region

Brennendes Holzhaus in der Gegend von Tschernobyl (am 18. April 2020): Häufig war Brandstiftung Ursache für die Brände in der Region

Foto: VOLODYMYR SHUVAYEV/ REUTERS

Das Gebiet um das frühere Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist radioaktiv teils hoch belastet. Und seit Wochen brennt es dort. Die Sorge, dass strahlende Partikel mit dem Rauch auch in andere Regionen getragen werden, besteht weiterhin. Zumal es trotz der massiv aufgestockten Zahl von Einsatzkräften offenbar noch keine großen Fortschritte bei den Löscharbeiten gibt. Nach Angaben des Katastrophenschutzes löschten auch am Dienstag knapp 1400 Feuerwehrleute weiter etwa sechs Schwelbrände. (Lesen Sie hier, wie sich die Feuer zuletzt sogar aus dem All erkennen ließen.)

Unterstützt von schwerer Technik der Armee sind den ukrainischen Behörden zufolge inzwischen mehr als 400 Kilometer Brandschutzschneisen geschlagen worden. In der benachbarten Region Schytomyr bekämpfen demnach weitere rund tausend Feuerwehrleute ebenfalls Waldbrände.

Die Behörden versicherten erneut, dass die Radioaktivität in den an das Sperrgebiet angrenzenden besiedelten Gebieten unterhalb der Grenzwerte liege. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland bestätigte am Dienstag, innerhalb des Sperrgebiets sei zwar eine deutlich erhöhte Luftkonzentration des radioaktiven Isotops Cäsium-137 gemessen worden. Außerhalb der Sperrzone, zum Beispiel in der Hauptstadt Kiew, seien aber nur leicht erhöhte Werte registriert worden. Diese seien gesundheitlich nicht bedenklich.

"Wahrscheinlich unterhalb der Nachweisgrenze"

Der Wind habe das Cäsium verdünnt, so das BfS. Für Deutschland bestehe "weiterhin keine Gefahr einer radioaktiven Wolke". Der Wind über dem betroffenen Gebiet wehe "auf absehbare Zeit in Richtung Süden, nicht nach Westen". Falls sich das ändern sollte, würde das Cäsium-137 auf einem möglichen Weg nach Deutschland trotzdem so weit verdünnt, dass es "wahrscheinlich unterhalb der Nachweisgrenze" läge. Man beobachte die Lage aber weiter.

Die französische Strahlenschutzbehörde IRSN hatte Ende vergangener Woche eine Simulation zur Ausbreitung von Cäsium aus der Brandgegend in der Ukraine veröffentlicht. Ihr zufolge wäre die radioaktive Substanz in sehr geringer Konzentration am 8. und 9. April über Deutschland gezogen.

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Das Bundesamt für Strahlenschutz überwacht die Radioaktivität in Deutschland mit bundesweit rund 1800 Messsonden. Dazu kommt eine Station zur Messung der Radioaktivität in der Atmosphäre auf dem Schauinsland bei Freiburg, die zum weltweiten Messnetz der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) gehört. Deren Exekutivsekretär Lassina Zerbo hatte mitgeteilt, dass zwei Messstationen der Organisation auf russischem Gebiet "höhere, aber nicht gefährliche" Cäsium-Konzentrationen gemessen hätten.

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In den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone um das frühere Atomkraftwerk Tschernobyl ist es bereits in den vergangenen Jahren mehrfach zu Feuern gekommen. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. So soll es auch in diesem Jahr gewesen sein.

Der Block vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl war im April 1986 explodiert. Radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine wurden gesperrt. Es handelte sich um die größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft, Tausende Menschen wurden getötet oder verletzt. Zehntausende Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt.

chs/dpa
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