Osttürkei Taucher finden jahrtausendealte Festung im Vansee

Die Mauern sind bis zu vier Meter hoch und außergewöhnlich gut erhalten: Im größten See der Türkei haben Forschungstaucher eine Festung gefunden - vermutlich ist sie 3000 Jahre alt.

Tahsin Ceylan

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Gerüchte unter den Anwohnern rund um den türkischen Vansee hatte es schon lange gegeben. Doch erst einem Team von Forschungstauchern gelang nun die Entdeckung: Sie fanden auf dem Grund des größten Sees der Türkei die Reste einer alten Festung.

Die Mauern reichten zwischen drei und vier Meter in die Höhe - die Bilder in dem klaren, blauen Wasser zeigen äußerst exakt bearbeitete Steinblöcke in gutem Zustand. Doch auch gröberes Mauerwerk ist auf den Aufnahmen zu erkennen. Laut Tahsin Ceylan, dem Leiter der Tauchgruppe, erstreckt sich die archäologische Unterwasserstätte ungefähr über einen Kilometer. "Es ist ein Wunder, dass wir die Mauerreste gefunden haben", sagte er.

Auf die Spur der Festung kamen Ceylan und sein Team, als sie im vergangenen Jahr historische Teile der Hafenanlagen der Stadt Adilcevaz am Nordufer des Sees untersuchten. "Wir entdeckten, dass die Mauerreste weiter in den See führten und sind ihnen gefolgt", teilte er dem SPIEGEL mit.

Nach ersten Schätzungen von Experten der Yüzüncü Yil University in Van könnte die Festungsanlage um die 3000 Jahre alt sein. Doch eine genauere Altersbestimmung sowie eine Bewertung des Fundes steht noch aus.

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Archäologie: Die Unterwasserburg im Vansee

Die Umgebung des Vansees steht schon lange im Fokus der Archäologen: Immer wieder finden sie Reste von historischen Siedlungen an den bergigen Seeufern, die schon länger archäologisch erschlossen werden. Der Wasserspiegel des Sees hat sich über die Jahrhunderte verändert, er stand einst viele Meter niedriger. Deshalb sei es möglich gewesen, damals Siedlungen und Festungen anzulegen, wo heute das Wasser stehe, so die Forscher.

Vermutlich handele es sich bei dem Fund um Reste des Urartäischen Reichs, sagt Ceylan. "Wir haben die Zeichnung eines Löwen auf einem der Steine gefunden - das wäre typisch." Auch die Bearbeitung der Steinquader des Mauerwerks sei sehr charakteristisch. Die Kultur siedelte während der regionalen Eisenzeitperiode um den See, sie errichtete auch zahlreiche Festungen. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste neben der heutigen Türkei auch Armenien und Iran. Bekannt ist etwa Erebuni in Armenien, eine Anlage aus dem achten Jahrhundert vor Christus.

Fabelwesen im tiefblauen Wasser?

Der Vansee ist der größte See der Türkei und zugleich der größte Sodasee der Erde. Er liegt weit im Osten des Landes nahe der Grenze zu Iran in einer Höhe von über 1600 Metern. Der für sein blaues und klares Wasser bekannte See mit mehr als 450 Metern an seiner tiefsten Stelle ist ein beliebtes Ziel von Touristen. Zudem ist sein Wasser stark alkalisch und reich an Salzen. Der See ist von bis zu 4000 Meter hohen Bergen und Vulkanen umringt.

Laut einer Legende soll in dem See ein saurierähnliches Tier leben - ähnlich wie beim berühmten Loch Ness in Schottland. Forscher konnten in verschiedenen Untersuchungen aber keine Spuren eines solchen Wesens finden. Ceylan erklärte türkischen Medien, dass Archäologen vor der Expedition prognostiziert hatte, dass das Team nichts finden werde. Ein Irrtum, wie sich nun herausgestellt hat.

Ob die Anlagen von Unterwasserarchäologen erschlossen werden sollen, ist bisher nicht bekannt. Geplant seien aber weitere Expeditionen auf dem Grund des Sees. "Wir glauben, dass wir ein ganz neues Areal für Archäologen und Historiker gefunden haben", sagte Ceylan.



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