Nach Unglück in Brasilien TÜV Süd beendet Sicherheitsprüfungen von Dämmen

Bei einem Dammbruch in Brasilien starben im Januar mindestens 246 Menschen. Dabei war das Bauwerk noch kurz vorher vom TÜV Süd für sicher erklärt worden. Das Unternehmen will solche Aufträge in Zukunft nicht mehr annehmen.

Dieses Luftbild zeigt einen Teil der Schlammlawine nach dem Dammbruch von Brumadinho
Antonio Lacerda/EPA-EFE/REX

Dieses Luftbild zeigt einen Teil der Schlammlawine nach dem Dammbruch von Brumadinho


Die Welle raste mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde talwärts. Als am 25. Januar der Damm eines Rückhaltebeckens der Eisenerzmine im brasilianischen Brumadinho brach, fluteten Millionen Kubikmeter Schlamm nach draußen, mindestens 246 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Besonders tragisch: Experten des TÜV Süd hatten den Abraumdamm B1 der Eisenerzmine Córrego do Feijão erst wenige Monate vorher, im September 2018, geprüft und für sicher befunden.

Allerdings hatte ein TÜV-Prüfer offenbar zu diesem Zeitpunkt bereits Zweifel. Nach Unterlagen der Staatsanwaltschaft von Brumadinho, die der SPIEGEL ausgewertet hatte, wussten die Verantwortlichen schon seit rund 15 Monaten von Sicherheitsproblemen. Eine Richterin hatte geurteilt, der Einsturz des Erddamms sei "nicht unvorhersehbar" gewesen.

Der Vorstandsvorsitzende des TÜV Süd, Axel Stepken, hat nun angekündigt, dass das Unternehmen das Geschäft mit der Sicherheitsprüfung solcher Dämme generell beendet. Stepken erklärte das Aus für diesen Geschäftszweig im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Das Unternehmen hat die Angaben auf Nachfrage bestätigt. Mit Sicherheitsprüfungen von Abraumdämmen war der TÜV nur in Brasilien befasst.

Der TÜV Süd hatte bereits kurz nach dem Dammburch angekündigt, Zertifizierungen von Abraumdämmen in Brasilien bis auf Weiteres einzustellen. Man habe das Vertrauen in das gegenwärtige brasilianische Prüfverfahren verloren. Außerdem kündigte die Firma an, die Abläufe im eigenen Haus mit einer eigens eingerichteten Kommission zu untersuchen. Ein brasilianisches Gericht entzog dem Unternehmen später die Lizenz zur Zertifizierung von Staudämmen im Land.

Der teilweise eingestürzte Damm befand sich an einer Mine des Vale-Konzerns. Ein Gericht hat das Unternehmen zur Wiedergutmachung verpflichtet. Nach Erkenntnissen des TÜV Süd ist die Sicherheit von acht weiteren Vale-Dämmen in Brasilien als "besorgniserregend", sieben davon sogar als "besonders besorgniserregend" einzustufen.

chs

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