Übergewicht Australiens Haustiere werden runder

Australien könnte den USA schon bald den Spitzenplatz unter den Nationen mit den dicksten Bürgern streitig machen. Das geht auch an den Haustieren nicht spurlos vorüber: Sie sind in "Down Under" besonders zahlreich - und besonders dick.


Australien genießt zwar noch immer das Image eines Landes voller sonnengebräunter Surfer und muskulöser Rugby-Recken, doch die Realität sieht anders aus: Der Anteil an Fettleibigen an der Gesamtbevölkerung hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen gelten 62 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen als übergewichtig oder gar fettleibig. Damit ist Australien den USA, die als weltweit führend in Sachen Körperumfang gelten, dicht auf den Fersen.

Wenn die Australier eines noch lieber mögen als gutes Essen, dann sind es ihre Haustiere. Doch die Tierliebe geht manchem Veterinär inzwischen zu weit, denn die Mitglieder des heimischen Streichelzoos gehen genauso rasant in die Breite wie ihre Besitzer.

Das hat jetzt die Königliche Gesellschaft zur Vorbeugung von Grausamkeit gegen Tiere (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals, RSPCA) auf den Plan gerufen. Australiens Haustiere seien zuletzt immer dicker geworden. Man habe gar schon eine Maus untersucht, die einer veritablen Fettsucht anheim gefallen sei, sagte RSPCA-Cheftierarzt Mark Lawrie. "Das ist ein großes Problem, und es reflektiert die Situation der Menschen."

Umfangreich ist das Problem in der Tat, denn in Australien leben mehr Haustiere als Menschen. In den Häusern und Wohnungen der 20 Millionen Australier tummeln sich fast vier Millionen Hunde, zweieinhalb Millionen Katzen, 8,7 Millionen Vögel und 12 Millionen Fische. Insgesamt gibt es in 64 Prozent der australischen Haushalte Tiere. Damit liegt das Land knapp vor den USA (62 Prozent) und weit vor Großbritannien (44 Prozent).

Erhebungen zufolge sind 40 bis 44 Prozent der australischen Hunde und rund ein Drittel der Hauskatzen übergewichtig, sagt Lawrie. Das Risiko lasse sich sogar für einzelne Hunderassen bestimmen. So seien der Labrador und der Beagle sowie Mischlinge besonders gefährdet - wie etwa Kreuzungen zwischen Labrador und Pudel, in Australien liebevoll "Labradoodles" genannt.

Die Gründe seien, wie bei den Menschen, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung. Und auch die Folgen ähnelten sich: Fette Hunde und Katzen seien anfälliger für Diabetes, Arthritis, Herz-Kreislauf-Probleme und Leberkrankheiten.

Zwar seien Sterilisationen und Kastrationen auch ein Grund für die ausladenden Proportionen mancher Vierbeiner. Doch der Hauptauslöser für Übergewicht sei zu viel Futter. "Die Kalorien-Aufnahme macht den größten Unterschied", meint Lawrie. Aber Menschen, die sich selbst keinen Snack verwehrten, täten sich auch schwer damit, ihrem pelzigen Liebling einen Leckerbissen zu verweigern.

mbe/rtr



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