Überraschung Mensch hat weniger Gene als Unkraut

Der Mensch hat deutlich weniger Gene als bisher angenommen. Statt 40.000 verschiedener sind es höchstens 25.000, berichten Wissenschaftler des Humangenom-Projekts. Selbst der gemeine Ackerschmalwand, ein heimisches Unkraut, bringt es auf 27.000 Gene.

Auch wenn die Genom-Sequenzierung des Menschen noch nicht abgeschlossen ist, steht nun fest, dass sehr viel weniger Erbgut für das Lebewesen Mensch nötig ist als bislang angenommen. Unter dem Gesichtspunkt der genetischen Komplexität spielt der Homo sapiens damit in der gleichen Liga wie der ein Millimeter große Fadenwurm Caenorhabditis elegans, der im Boden lebt und schon nach drei Tagen geschlechtsreif ist. Bei diesem Tierchen hat die Genom-Analyse eine Zahl von rund 19.500 verschiedenen Genen ergeben. Der Mensch verfügt nach den neuesten Erkenntnissen über 20.000 bis 25.000 verschiedene Gene. Etwas mehr sind es mit 27.000 bei Arabidopsis thaliana, der gemeinen Ackerschmalwand, die vom Menschen als schnödes Unkraut betrachtet wird.

Die DNS dieser Mausohrkresse kennt allerdings nur 115 Millionen Basenpaare, während die des Menschen rund drei Milliarden dieser chemischen Bausteine besitzt. Sie bilden als Kombinationen von Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin den genetischen Code. So wie einzelne Buchstaben ein Wort bilden, setzt sich ein Gen aus mehreren Basenpaaren zusammen.

In Fortsetzung der zuletzt 2001 vorgestellten Ergebnisse gelangten die Forscher des "Human Genome Sequencing Consortiums" nun zu dem Ergebnis, dass es sich bei Bausteinen, die damals als Gene eingestuft wurden, tatsächlich um Kopien handelt und dass Teile ein- und desselben Gens zunächst als zwei Gene gezählt wurden.

Während die Gene einfacher Organismen wie C. elegans nur für die Ausbildung eines einzelnen Proteins angelegt sind, könnten menschliche Gene weit komplexere Eiweiße entwickeln, die für mehr als nur eine physische Funktion zuständig sind, schreibt das internationale Forscherteam im Magazin "Nature" (Bd. 431, S. 931). Zudem ergebe sich ein großer Teil der biologischen Komplexität beim Menschen aus der Kombination von mehreren Proteinen, erklärte Francis Collins vom Genom-Forschungsinstitut der USA.

Bis auf 341 Lücken sei das menschliche Erbgut jetzt fast vollständig entschlüsselt, teilte die Max-Planck-Gesellschaft am Mittwoch in München mit. Neben bisher unbekannten Genen seien bereits zwölf menschliche Gene für physische Defekte entdeckt worden - darunter Kleinwuchs, Nachtblindheit, geistige Behinderungen sowie Nieren- und Hautkrankheiten. Die Wissenschaftler hoffen, dass mit den Daten der vollständigen Genom-Analyse künftig genetische Ursachen für Krebs, Bluthochdruck, Fettsucht und andere Krankheiten sicher bestimmt werden können.

Malcolm Ritter, AP