Überschuss Kompromiss zu Schweinegrippe-Impfstoff in Sicht

Was tun mit überschüssigem Schweinegrippe-Impfstoff? Bund und Länder haben sich mit dem Hersteller im Prinzip geeinigt, dass sie weniger als die vereinbarten 50 Millionen Impfdosen abnehmen und bezahlen müssen. Doch noch ist die Vereinbarung nicht unterschrieben.
Schweinegrippe-Impfung (in Stuttgart, Oktober 2009): "Annehmbare Lösung für alle"

Schweinegrippe-Impfung (in Stuttgart, Oktober 2009): "Annehmbare Lösung für alle"

Foto: A3537 Marijan Murat/ dpa

Berlin - Die Bundesländer müssen deutlich weniger Schweinegrippe-Impfstoff vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) abnehmen, als sie ursprünglich bestellt haben. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Vertretern der Länder und des Bundes mit GSK-Vertretern. "Wir haben vom Pharmakonzern Signale der Kulanz erhalten, einen größeren Teil der überschüssigen Impfstofflieferungen zu stornieren", sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchefin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) nach dem Treffen. Es gebe "alle Chancen auf eine annehmbare Lösung für alle Beteiligten".

Wie hoch genau der Nachlass ist, den GSK den Ländern gewährt, ist noch unklar. Außerdem müssen noch alle Länder dem Verhandlungsergebnis zustimmen. Das soll bis Mitte der kommenden Woche passieren. An dem Treffen auf Beamtenebene hatten neben GSK-Vertretern die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Hessen und Bremen teilgenommen. Am Freitag soll es dann eine Telefonkonferenz aller Gesundheitsminister geben.

Die Länder hatten ursprünglich 50 Millionen Impfstoff-Dosen für 416,5 Millionen Euro geordert. Damals gingen sie davon aus, 30 Prozent der Bevölkerung je zwei Mal impfen zu können. Da jedoch mittlerweile klar ist, dass in den meisten Fällen eine Impfung ausreicht, sind die Lagerbestände zu groß - vor allem, weil die Deutschen ausgesprochen impfmüde sind.

"Widersprüchliche Signale aus der Pharmaindustrie"

Der Gesundheitsminister Sachsen-Anhalts, Norbert Bischoff (SPD), warf GSK vor, auch eine Teilschuld an dem geringen Impfinteresse in Deutschland zu haben. "Die Signale aus der Pharmaindustrie waren durchaus widersprüchlich", sagte Bischoff dem Sender "MDR Info" in Bezug auf Verträglichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffes.

Die Länder wollen nun überschüssige und schon erhaltene Impfdosen an andere Staaten verkaufen - zum Beispiel an den Iran oder das Kosovo. Dabei sehen die Länder auch den Bund in der Pflicht. Berlin, so argumentieren sie, habe zwischenzeitlich gedrängt, deutlich mehr Impfstoff zu bestellen als geplant.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), bezeichnete die aktuelle Kritik an der Überversorgung mit Impfstoff als "typisch deutsche Diskussion". Der "Leipziger Volkszeitung" sagte Zöller, viele Experten, die sich nun über zu viel bestellte Impfstoffe beschwerten, hätten die ursprünglich anvisierte Impfzahl von einem Viertel der Bevölkerung als unverantwortlich gering eingestuft. Man solle an einem "gesunden Mittelweg zwischen Überreaktion und zu wenig Aktionismus festhalten".

chs/dpa/AFP
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