Übersinnliche Wahrnehmung Zweifel an Geisterstunde im Magnetfeld

Am Kopf angelegte Magnetfelder lassen Menschen die Gegenwart von Geistern spüren, hatte vor einigen Jahren ein kanadischer Psychologe behauptet. Stimmt nicht, meinen jetzt schwedische Forscher, die das Phänomen erneut untersucht haben.

In der Region der Schläfenlappen vermuten einige Wissenschaftler schon seit längerem eine Art "Gottesmodul". Der Neurologe Vilayanur Ramachandran von der University of California in San Diego hatte vor einigen Jahren im linken Schläfenlappen eines Patienten auffällig starke Aktivitäten beobachtet. Sie gäben dem Patienten das Gefühl, eins zu sein mit dem Schöpfer, hatte Ramachandran berichtet.

Auch Versuche des kanadischen Psychologen Michael Persinger aus den achtziger Jahren stützten die These vom "Gottesmodul". Persinger setzte Testpersonen einen Helm auf, der mit Dutzenden Magnetspulen besetzt war. Die damit in den Schläfenlappen erzeugten Magnetfelder hätten den Probanden übersinnliche Fähigkeiten verliehen. Sie spürten die Gegenwart von anderen Personen, obwohl sie allein in einem Zimmer saßen, berichtete Persinger. Acht von zehn Testpersonen hätten von religiösen oder paranormalen Erlebnissen unter dem Helm berichtet.

Doch die These von der Geisterstunde im Magnetfeld wird nun von schwedischen Wissenschaftlern in Frage gestellt. In einem Experiment mit 90 Studenten konnten Pehr Granqvist und seine Kollegen von der Universität Uppsala die Ergebnisse Persingers nicht nachvollziehen.

Testpersonen im Unklaren gelassen

Ihre Doppelblindstudie ergab, dass eine übersinnliche Wahrnehmung bei den Probanden nicht vom Magnetfeld abhängt, sondern von der Aufgeschlossenheit der Personen gegenüber solchen Erlebnissen generell. Alle Studienteilnehmer mussten den Helm aufsetzen, doch nur bei der Hälfte wurde das Magnetfeld auch tatsächlich eingeschaltet. Die Probanden und auch die Mediziner, die sie betreuten, wussten nicht, ob der Helm unter Strom stand oder nicht.

Eine solche Doppelblindstudie sei das A und O, sagte Granqvist gegenüber den Onlinedienst "Nature News". Die früheren Studien von Persinger seien nicht nach dieser Methode durchgeführt worden, ihre Ergebnisse deshalb zweifelhaft, schreibt der Wissenschaftler im Fachblatt "Neuroscience Letters".

"Außergewöhnlichste Erlebnisse meines Lebens"

Persinger hält die neuen Ergebnisse seiner schwedischen Kollegen jedoch für nicht vergleichbar mit seinen eigenen: Sein Versuchsaufbau sei nicht annähernd reproduziert worden, sagte er gegenüber "Nature News". Zudem hätte das Magnetfeld nicht lange genug auf die Probanden eingewirkt. Auch seien einige seiner eigenen Studien doppelblind durchgeführt worden.

Die britische Psychologin Susan Blackmore betrachtet die Ergebnisse der Universität Uppsala ebenfalls mit Skepsis - allerdings weniger aus wissenschaftlichen denn aus persönlichen Gründen. Blackmore hat die Wirkung von Persingers Magnethelm selbst erfahren: "Ich hatte die außergewöhnlichsten Erlebnisse meines Lebens. Es würde mich wundern, wenn sich das als Placebo-Effekt herausstellt."