Umstrittene Chemikalie Regierung verbietet Bisphenol A in Babyflaschen

Babyflaschen mit der umstrittenen Chemikalie Bisphenol A dürfen in Deutschland nicht mehr hergestellt werden. Für bereits hergestellte Ware gilt eine Übergangsfrist, erst ab Juni werden sie ganz aus den Verkaufsregalen verbannt. Forscher warnen, dass die Substanz die Hirnentwicklung stört.
Bisphenol A im Plastikfläschchen: Produktion ab März verboten

Bisphenol A im Plastikfläschchen: Produktion ab März verboten

Foto: Armin Weigel/ dpa

Bisphenol A (BPA) ist eine Alltagssubstanz: Die Chemikalie steckt in Lebensmittelverpackungen, in CDs, Plastikgeschirr, in Kassenquittungen und in Babywaren wie Fläschchen und Schnullern. Europaweit werden mehr als eine Million Tonnen Bisphenol A pro Jahr hergestellt.

Der sorglose Umgang der Industrie mit der Chemikalie wird aber seit einigen Jahren kritisch gesehen. Denn Bisphenol A, ein Stoff, der im Körper wie ein Hormon wirken kann, steht im Verdacht, einige Übel auslösen zu können. Unfruchtbarkeit und Erektionsstörungen, Diabetes, Brustkrebs, Fettleibigkeit, Schädigungen des zentralen Nervensystems. Die Liste ist lang. Noch streiten Wissenschaftler darüber, welche Auswirkungen die Substanz abhängig von der Konzentration tatsächlich hat, dennoch rät das Umweltbundesamt seit geraumer Zeit, BPA-Produkte zu meiden.

Jetzt hat die Regierung auf die Debatte reagiert: Von Juni an dürfen keine Babyflaschen mehr verkauft werden, die mit BPA hergestellt wurden. In der Produktion wird der Einsatz der Chemikalie bereits vom ersten März verboten. Das teilte das Bundesverbraucherministerium am Freitag in Berlin mit.

Deutschland setzt mit dem Verbot eine Anordnung der EU-Kommission um. Gesundheitsexperten der Mitgliedstaaten hatten sich Ende November geeinigt, die Herstellung von Babyfläschchen mit Bisphenol A von März an zu verbieten.

Nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde sind allerdings gesundheitliche Nachteile durch Bisphenol A in Lebensmitteln nicht zu befürchten. "Die Mengen an Bisphenol A, die von der Bevölkerung in Deutschland mit der Nahrung aufgenommen werden, liegen in allen Altersgruppen deutlich unter dem festgelegten Grenzwert", erklärte das Verbraucherministerium. Allerdings kamen kürzlich Zweifel an der Unabhängigkeit der Behörde auf. Verbraucherschützer fordern dennoch, den Stoff auch aus anderen Alltagsprodukten zu verbannen.

Da noch nicht alle Fragen zu Bisphenol A abschließend wissenschaftlich geklärt seien, habe die EU-Kommission insbesondere auf Dringen Deutschlands vorsorglich die Verwendung dieses Stoffes in einer Richtlinie eingeschränkt, so die EU-Behörde. Damit sei der Weg frei, um in Deutschland die Verwendung von Bisphenol A in Babyfläschchen zu verbieten.

In Frankreich und Dänemark ist Bisphenol A bereits verboten, ebenso in Kanada, Australien und in mehreren US-Bundesstaaten. Zahlreiche Babyartikel-Hersteller haben im Vorfeld des Verbots bereits freiwillig auf den Einsatz von Bisphenol A verzichtet und dies auf ihren Produkten entsprechend gekennzeichnet, beispielsweise mit "bpa-frei" oder "bpa free". Wer sichergehen möchte, greift zu Glasflaschen - diese sind grundsätzlich frei von Bisphenol A.

cib/AFP/dpa
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