Umstrittene Großwildjagd Trophäen fürs Wohnzimmer

Tausende Jagdtouristen reisen jährlich nach Afrika und Kanada, um Großwild zu erlegen. Kontrollierter Artenschutz oder martialisches Gemetzel? Die wichtigsten Fakten.
Großwildjägerin Sabrina Corgatelli: "Es gibt eine Verbindung zu dem Tier, und nur weil wir sie jagen, heißt das nicht, dass wir sie nicht respektieren."

Großwildjägerin Sabrina Corgatelli: "Es gibt eine Verbindung zu dem Tier, und nur weil wir sie jagen, heißt das nicht, dass wir sie nicht respektieren."

Foto: Sabina Corgatelli/ Facebook

Kaum eine Freizeitbeschäftigung ist so umstritten wie die Großwildjagd, denn viele Zielobjekte gehören zu bedrohten Tierarten. Nach dem Tod des Löwen Cecil ziehen die Behörden in Simbabwe Konsequenzen: Die Großwildjagd wird in Zukunft stark eingeschränkt. In vielen anderen Ländern ist sie weiterhin erlaubt. Aktuell sorgt der Fall der Buchhalterin Sabrina Corgatelli für Schlagzeilen: Die Trophäenjägerin aus Idaho hatte von ihrem jüngsten Jagdurlaub nach Südafrika Bilder auf ihrer Facebook-Seite gepostet .

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Ist Großwildjagd erlaubt?

In vielen Ländern ist der Abschuss bedrohter Wildtiere immer noch legal, darunter afrikanische Staaten wie Namibia, Sambia, Simbabwe und Mosambik. In Simbabwe beispielsweise können Jäger einschlägigen Websites zufolge mit der erforderlichen Erlaubnis Elefanten, Löwen, Leoparden und Büffel vor das Gewehr bekommen. In Kanada dürfen Großwildjäger auf Eisbären und Grizzlys schießen.

Was kostet die Jagd?

Bei einer umstrittenen Auktion im US-Bundesstaat Texas ersteigerte im vergangenen Jahr ein Hobbyjäger die Lizenz zur Tötung eines Schwarzen Nashorns in Namibia für 350.000 US-Dollar (etwa 320.000 Euro). Auch deutsche Jagdreiseveranstalter mischen in dem Geschäft mit. Einen Elefantenbullen kann man in Simbabwe ab etwa 12.000 US-Dollar erlegen, eine Giraffe kostet 6500 US-Dollar, ein Büffel 2500 US-Dollar. Eine Eisbärenjagd in Kanada kostet für mehrere Tage inklusive Verpflegung und Hundeschlitten um die 40.000 kanadische Dollar (etwa 27.800 Euro).

Welche Bedeutung das Geschäft für die Gesamtwirtschaft eines Landes haben kann, zeigen Zahlen aus Südafrika. So habe sich der Bestand der Wildfarmen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt, berichtet das Fachblatt "African Hunting Gazette" . Im Jahr 2012 waren es demnach 12.000 Farmen, von denen 10.000 auch für die Jagd auf Großwild betrieben wurden. Dort werden die Tiere zum Großteil dafür gehalten, damit zahlende Touristen sie erlegen können. Nach Angaben der "African Hunting Gazette" trug diese Jagdindustrie im Jahr 2011 insgesamt 7,7 Milliarden Rand (etwa 552 Millionen Euro) zum Brutto-Inlandsprodukt (BIP) Südafrikas bei, das entspreche 0,25 Prozent des gesamten BIP des Landes.

Wie passen Artenschutz und Großwildjagd zusammen?

Während der Deutsche Jagd-Verband in einem Positionspapier  von "bestplatzierter Entwicklungshilfe" spricht und Jagd im Vergleich zum Massentourismus als eine Form des "sanften Naturtourismus" bezeichnet, bekämpfen Tierschützer die Großwildjagd seit Langem. Der Verein Pro Wildlife kritisiert sie  vor allem aus ökologischer Sicht: So hätten es die Trophäenjäger oft auf seltene Arten abgesehen - und hier ausgerechnet auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere. Nach Ansicht der Tierschützer kann dies fatale Auswirkungen für das Überleben einer Art haben. Außerdem sehen sie ein weiteres Problem: Weil die Einfuhr von Jagdtrophäen als Privatvergnügen und somit als nicht kommerziell gelte, ist sie von Handelsverboten meist ausgenommen und mit Genehmigung legal - auch in Deutschland.

Was jagen Großwildjäger?

Rund 18.000 Jagdtouristen reisen nach Angaben des Vereins Pro Wildlife jedes Jahr nach Afrika, um dort 100.000 Wildtiere zu erschießen. Sehr beliebt unter Großwildjägern sind die "Big Five", also Elefanten, Nashörner, Löwen, Leoparden und Büffel. Mehr als 200 Millionen Dollar lassen die Touristen jedes Jahr dort . Die umstrittene Großwildjagd hat auch in Deutschland Anhänger. Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag"  führten deutsche Trophäenjäger im Jahr 2014 elf Löwen ein, außerdem zahlreiche Schwarzbären, Leoparden, Elefanten sowie einen Eisbär.

Gibt es Alternativen?

Ja. Dass sich Großwild auch weniger martialisch vermarkten lässt, zeigen Lodges in zahlreichen afrikanischen Ländern. Dort können Besucher in den Nationalparks die Tiere beobachten und auf Fotosafaris Löwen, Nashörner und Büffel schießen - mit der Kamera. Auch diese Form von Tourismus schafft Jobs und bringt Geld in die Länder.

Im Video: US-Großwildjäger wird zur Hassfigur

SPIEGEL ONLINE
khü
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