Umweltgifte Hohe Dioxinmengen in Billiglachs

Lachs aus Europas Zuchtfabriken enthält einer Studie zufolge Umweltgifte wie Dioxin und PCB - und zwar in bedenklich hohen Konzentrationen. Wissenschaftler empfehlen deshalb den teureren, jedoch weniger belasteten Wildlachs.


Sushi-Restaurant in Düsseldorf: Forscher empfehlen den weniger belasteten Wildlachs
DDP

Sushi-Restaurant in Düsseldorf: Forscher empfehlen den weniger belasteten Wildlachs

Sein leckeres Fleisch schimmert von rosa bis orange, Ernährungswissenschaftler loben ihn wegen des hohen Vitamin-D-Gehalts und der ungesättigten Fettsäuren. Doch im Lachs können potenziell krebserregende Umweltgifte stecken, vor allem wenn er aus dem Regal günstiger Supermärkte stammt.

Amerikanische Wissenschaftler kamen in einer internationalen Studie zu dem Ergebnis, dass Lachs aus Aufzuchtbetrieben deutlich mehr Giftstoffe enthält als Wildlachs. Am stärksten war demnach Lachs aus Nordeuropa belastet, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science". Es folgte Fisch aus Nordamerika und Chile.

Bei Farmlachs lag der durchschnittliche Dioxin-Gehalt der Untersuchung zufolge elfmal höher als bei Wildlachs - 1,88 ppb (Teile pro Milliarde) im Vergleich zu 0,17 ppb. Mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (PCB) war der Lachs aus Aufzuchtbetrieben ebenfalls deutlich stärker belastet (36,6 ppb im Vergleich zu 4,75 ppb). Auch bei elf weiteren Umweltgiften gab es solche Unterschiede.

Weiblicher Lachs kurz nach dem Ablaichen: Fische aus Europa enthalten die meisten Gifte
DPA

Weiblicher Lachs kurz nach dem Ablaichen: Fische aus Europa enthalten die meisten Gifte

Für die hohen Schadstoffkonzentration machen Forscher das auf Lachsfarmen verwendete Fischfutter verantwortlich. Sie empfehlen Lachsbetrieben, auf soja- und rapshaltiges Fischfutter umzusteigen. In den bislang verwendeten Futterarten sei oft verseuchtes Fischöl enthalten. David Carpenter, einer der Autoren der Studie, erklärte: "Wir wollen die Leute bestimmt nicht auffordern, keinen Fisch mehr zu essen. Wir sagen ihnen, dass sie weniger Lachs essen sollen."

Die Wissenschaftler um Ronald Hites von der Indiana University in Bloomington hatten rund 700 verschiedene Proben auf 50 verschiedene Gifte analysiert, darunter Lachsfilets aus europäischen und amerikanischen Supermärkten und direkt aus Zuchtfarmen.

Junglachse: Gefahr aus dem industriellen Fischfutter
REUTERS

Junglachse: Gefahr aus dem industriellen Fischfutter

Fisch aus europäischen Kühltheken enthielt die höchsten Anteile chlorierter Kohlenwasserstoffe (PCB) und von Dioxin. Dieser stammt meist von Farmen aus Schottland oder den Färöer-Inseln. Eine Probe aus einem Frankfurter Supermarkt war demnach so stark belastet, dass davon nicht mehr als eine halbe Portion (55 Gramm) pro Monat gegessen werden sollte, empfehlen die Autoren basierend auf Richtlinien der US-Umweltbehörde EPA.

Chlorierte Kohlenwasserstoffe zählen zu den giftigsten Substanzen überhaupt. Sie können unter anderem Krebs, neuronale Veränderungen und Schädigungen des Immunsystems bewirken. Auf Verpackungen müsse deshalb deutlich gekennzeichnet werden, ob das Filet von einem Wild- oder Zuchtlachs stamme, fordern die Autoren der Studie. Schwangere Frauen sollten Lachs aus Zuchtbetrieben möglichst gar nicht essen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die weltweite Produktion von Zuchtlachsen um das Vierzigfache erhöht. Mehr als eine Million Tonnen Fisch werden von den Farmen jedes Jahr an Restaurantküchen und Supermärkte geliefert. Allein in der Europäischen Union stieg der Lachskonsum zwischen 1987 und 1999 um jährlich 14 Prozent.



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