Fotostrecke

Chinas Forscher: Auf dem Sprung nach ganz oben

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Unesco-Bericht China hat bald weltweit die meisten Forscher

China positioniert sich mit aller Macht als Wissenschaftsnation. Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen belegt eindrucksvoll, wie sich die Gewichte in der Forschung langsam, aber sicher nach Asien verschieben.

Unesco

Paris - Chinas Forscher streben unaufhaltsam an die Weltspitze. Schon bald wird es in dem Land mehr Wissenschaftler geben als in jedem anderen Staat der Erde. Zu diesem Schluss kommt die in der neuesten Ausgabe ihres Wissenschaftsberichts 2010. Der seit 1993 regelmäßig herausgegebene Report der Uno-Organisation soll einen Überblick auf die Forschungslandschaft der Welt liefern.

China

Dabei zeigen sich klare Trends: Jeder zehnte wissenschaftliche Artikel weltweit stammt mittlerweile aus . Innerhalb von sechs Jahren hat das Land damit seinen Anteil an der wissenschaftlichen Produktion verdoppeln können. Das geht einher mit einem massiven Anstieg der Investitionen in Forschung und Entwicklung in der Zeit zwischen 2002 und 2008: Sie kletterten um 50 Prozent.

China wendet mittlerweile 1,54 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung (FuE) auf, deutlich mehr als zum Beispiel Indien oder Brasilien. Trotzdem gibt es noch immer Aufholbedarf: Der weltweite Schnitt liegt bei 1,7 Prozent, in Deutschland sind es gut 2,5 Prozent.

Die Zahl chinesischer Forscher lag im Jahr 2007 - aus dieser Zeit stammen die neuesten Zahlen - bei gut 1,4 Millionen. In der Europäischen Union und in den USA sind es jeweils ähnlich viele. Doch China setzt auf überproportionales Wachstum - und auch andere Staaten legen sich ins Zeug für die Wissenschaft: "Die großen Schwellenländer Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika geben mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als jemals zuvor", schreiben Hugo Hollanders und Luc Soete von der Denkfabrik Unu-Merit im niederländischen Maastricht in einer Zusammenfassung des 500-seitigen Unesco-Reports .

Russland

Der Trend zu mehr Forschung sei auch in und Osteuropa zu beobachten. Dort kehre man langsam wieder zu den Zahlen aus der Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs zurück. Indien plane derweil die Einrichtung von 30 neuen Universitäten. Dadurch sollten die Studentenzahlen in dem Land von weniger als 15 Millionen im Jahr 2007 auf 21 Millionen im Jahr 2012 steigen.

Die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise sind aus den Statistiken noch nicht vollständig abzulesen. Dafür sind die Daten zum Teil nicht frisch genug. Doch klar scheint, dass sich der Schwerpunkt der Weltwissenschaft langsam verschiebt - und dass die Krise einen entscheidenden Beitrag geleistet hat, um diesen Trend zu verstärken: "Während Europa und die USA mit der Überwindung der beschäftigt sind, profitieren Unternehmen aus aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie Brasilien, China, Indien und Südafrika von ungebrochenem wirtschaftlichem Wachstum und positionieren sich immer höher in der Wertschöpfungskette", schreiben Hollanders und Soete.

Das lässt sich auch klar in Zahlen belegen: Der Anteil Asiens an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben ist zwischen 2002 und 2007 um fünf Prozentpunkte gestiegen. In der EU (minus drei Prozentpunkte), den USA (minus 2,5 Prozentpunkte) und Japan (minus 0,8 Prozentpunkte) ging der Anteil dagegen zurück. "Die bipolare Welt, in der Wissenschaft und Technologie von der Triade USA, EU und Japan dominiert wird, weicht allmählich einer multipolaren Welt", sagt auch Unesco-Chefin Irina Bokowa.

Die USA bleiben freilich trotz allem das absolute Schwergewicht der internationalen Wissenschaft, der Abstand zu den aufstrebenden neuen Mächten ist noch immer groß. Das Land gibt für Forschung und Entwicklung mehr aus als die nachfolgenden sieben größten Industriestaaten zusammen. Knapp ein Drittel aller Forschungsgelder weltweit kommen in den USA zum Einsatz. Zum Vergleich: Europa liegt bei gut 23 Prozent - und China bei knapp 9.

chs
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.