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11. September 2013, 17:53 Uhr

Uno-Bericht

Ein Viertel der Nahrung landet im Müll

Es ist eine Verschwendung von unvorstellbarem Ausmaß: Laut einem Uno-Bericht wird mehr als ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Nahrung genutzt, die direkt in die Mülltonne wandert. Gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen.

Berlin/New York - Jedes Jahr landen weltweit rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Und nach einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen sorgt diese massive Verschwendung nicht nur für enorme Wirtschaftseinbußen, sondern richtet auch riesige Umweltschäden an.

Demnach werden 28 Prozent des gesamten weltweiten Ackerlandes genutzt, um Nahrung zu produzieren, die nie gegessen wird. Die direkten finanziellen Einbußen beliefen sich jährlich auf 565 Milliarden Euro - weggeworfener Fisch und Meeresfrüchte noch nicht einmal mitgerechnet.

Der Report "Food Wastage Footprint: Impacts on Natural Resources" trägt zusammen, welche Konsequenzen die Überproduktion für das Klima, die Bodennutzung, das Wasser und die Artenvielfalt hat. Er wurde am Mittwoch von der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sowie dem Uno-Umweltprogramm (Unep) in Rom und Nairobi präsentiert.

Die Produktion von Lebensmitteln, die später nicht verzehrt werden, verbrauche jährlich etwa 250 Kubikkilometer Wasser. Das entspricht dem fünffachen Volumen des Bodensees und ist dem Report zufolge dreimal mehr als pro Jahr durch die russische Wolga fließt. Zudem entstünden bei der Herstellung jährlich Treibhausgase, die der Wirkung von 3,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entsprächen.

"In jedem Glied der Nahrungsmittelkette etwas ändern"

Laut dem Uno-Bericht gehen 54 Prozent der verschwendeten Nahrungsmittel bereits während der Produktion, der Nachernte und der Lagerung verloren. Entwicklungsländer seien von diesem Teil des Problems besonders stark betroffen. Die Verschwendung bei Weiterverarbeitung, Auslieferung und Konsum - weltweit geht es um 46 Prozent der betroffenen Lebensmittel - ist stärker ein Problem der Industrieländer.

"Wir alle - Landwirte und Fischer, Lebensmittelproduzenten und Supermärkte, lokale und nationale Regierungen sowie die Verbraucher - müssen in jedem Glied der menschlichen Nahrungsmittelkette etwas ändern, um Lebensmittelverschwendung in erster Linie zu vermeiden und andernfalls Nahrungsmittel wiederzuverwerten", sagte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva.

Zusätzlich zu den Folgen für die Umwelt sei die Lebensmittelverschwendung auch moralisch nicht vertretbar: "Wir dürfen nicht erlauben, dass ein Drittel der Nahrungsmittel, die wir herstellen, auf dem Müll landen, wenn 870 Millionen Menschen gleichzeitig Hunger haben." Tragischerweise wäre mehr als genug Nahrung da, um die heutige Weltbevölkerung von sieben Milliarden zu ernähren. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass die Verschwendung noch größer ist als im neuen Uno-Report angegeben. Sie schätzen, dass weniger als die Hälfte der weltweit produzierten Nahrung von Menschen verzehrt wird.

In Deutschland wirft laut einer Regierungsstudie jeder Bundesbürger pro Jahr statistisch gesehen knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Doch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht das Land trotzdem auf einem guten Weg - unter anderem wegen der Kampagne "Zu gut für die Tonne". "Handel, Industrie, Kirchen, Verbände und Verbraucherinitiativen ziehen an einem Strang. Wenn andere Länder folgen, können wir das Ziel der Europäischen Kommission erreichen, die Menge der verwertbaren Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2020 um die Hälfte zu reduzieren", so Aigner.

chs/dpa

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