Uno-Experte Biotreibstoff aus Nahrung verletzt Menschenrecht

Wer potentielle Lebensmittel zu Biosprit verarbeitet, der verletzt nach Ansicht des Uno-Experten Jean Ziegler das Menschenrecht auf Nahrung. Abhilfe soll ein fünfjähriges Moratorium schaffen. Doch die Industrie winkt ab.


Genf - Das Menschenrecht auf Nahrung werde massiv verletzt, sagte der Schweizer Jurist und Soziologe Jean Ziegler vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Ziegler hatte am Montag seinen Bericht über das weltweite Recht auf Nahrung veröffentlicht. Nun setzt er sich dafür ein, die Umwandlung von Nahrungsmitteln in Biotreibstoff vorerst zu stoppen. Mit Hilfe eines fünfjährigen Moratoriums solle nach alternativen Möglichkeiten zur Gewinnung von Biotreibstoff gesucht werden.

Uno-Experte Jean Ziegler: Vorschlag für ein Biosprit-Moratorium abgelehnt
AP

Uno-Experte Jean Ziegler: Vorschlag für ein Biosprit-Moratorium abgelehnt

Ziegler erklärte, die von den USA und der EU geplante Steigerung der Biotreibstoffproduktion könne nicht durch landwirtschaftliche Produktion in den Industrieländern erreicht werden. Deswegen würden die Staaten des Nordens auf Länder der südlichen Hemisphäre ausweichen. Zwar könne Biotreibstoff durchaus auch positive Effekte auf den Klimawandel haben. "Es ist jedoch inakzeptabel, dass die steigende Produktion von Biotreibstoff zu mehr Hunger führen könnte." Doch selbst die positiven Effekte der vermeintlichen Ökotreibstoffe werden von Forschern immer wieder in Frage gestellt.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie lehnte Zieglers Forderung nach einem Moratorium umgehend ab. "Auch wenn in Europa weniger Raps und Zuckerrüben für Biokraftstoffe verwendet würden, gelangen nicht mehr Nahrungsmittel zu den hungernden Menschen", erklärte Verbandschef Arnd von Wissel. Biokraftstoffe böten den Entwicklungsländern sogar Chancen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Vermeidung von Hunger.

chs/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.