Uno Klimaerwärmung hat katastrophale Folgen

Ein Expertengremium der Uno rechnet mit verheerenden Auswirkungen der globalen Klimaveränderung. Auch Europa sei zunehmend von Naturkatastrophen und Artensterben bedroht.

Genf - Wegen des ansteigenden Meeresspiegels sind in Küstenregionen Millionen von Menschen in Gefahr, weltweit können in trockenen Gegenden ganze Ernten der Dürre zum Opfer fallen. Krankheiten durch verseuchtes Trinkwasser breiten sich aus, Pflanzenarten gehen ein, Tierarten sterben aus. Dieses düstere Szenario entwirft ein Uno-Ausschuss aus mehreren hundert Wissenschaftlern, der am Montag in Genf seinen Bericht über mögliche Folgen der globalen Klimaerwärmung vorlegte.

"Die meisten Menschen werden auf der Verliererseite stehen", sagte der Vorsitzende des Uno-Gremiums für Klimaveränderungen (IPCC), James McCarthy. Die Klimaveränderungen bedrohen dem Bericht zufolge Gletscher und alpine Ökosysteme, Korallenriffe, Mangroven, Nadel- und tropische Wälder sowie Feuchtgebiete und Steppen.

Wenn der Meeresspiegel in den nächsten 80 Jahren um 40 Zentimeter steigt, würden bis zu 200 Millionen mehr Menschen als heute von verheerenden Küstenstürmen bedroht, heißt es in dem Bericht. Die Folgekosten der Naturkatastrophen seien von jährlich rund vier Milliarden Dollar in den fünfziger Jahren auf 40 Milliarden Dollar im Jahr 1999 gestiegen.

Auch die Ausbreitung der Dürreregionen bereitet den Experten Sorgen. Bereits heute leben 1,7 Milliarden Menschen in Regionen, in denen Trinkwasser knapp ist. Diese Zahl könne in den nächsten 25 Jahren auf fünf Milliarden steigen, schätzen die Wissenschaftler. Das Gremium fordert deshalb eine Erhöhung der Trinkwasserpreise, um die Wasserressourcen nicht weiter zu verknappen.

Der Bericht ist der zweite Teil eines umfassenden IPCC-Klimareports. , der im Januar in Schanghai veröffentlicht wurde, hatten die Experten von einer "potenziell katastrophalen Erwärmung" des Erdklimas um 1,4 bis 5,8 Grad in diesem Jahrhundert gesprochen. Der Meeresspiegel werde zwischen elf und 88 Zentimetern steigen.

Viele der Veränderungen, die die Wissenschaftler bei steigender Erwärmung erwarten, sind dem neuesten Bericht zufolge bereits sichtbar. Das arktische Eis sei um 10 bis 15 Prozent zurückgegangen, die Eisdecke auf Flüssen und Seen schmelze zwei Wochen früher als vor 150 Jahren. In Europa blühten Gartenpflanzen 1993 im Schnitt 10,8 Tage länger als 35 Jahre zuvor. Zugvögel ziehen später im Jahr in wärmere Gefilde und kommen früher zurück. Schmetterlinge, Käfer und Libellen finden sich in immer nördlicheren Regionen.

Lediglich in nördlichen Breitengraden könne die Klimaerwärmung vorübergehend positive Folgen haben, heißt es in dem Report. In Nordeuropa könnten die Ernten besser werden und die Heizkosten sinken. Allerdings überwiegen auch in Europa die negativen Konsequenzen: Die Hälfte der Alpengletscher könne schmelzen, Flüsse könnten häufiger über die Ufer treten, in Südeuropa gäbe es mehr Dürren.

Am stärksten seien die Folgen der Klimaveränderung jedoch in Entwicklungsländern zu spüren. Diese Länder hätten am wenigsten Geld, um sich auf die Veränderungen einzustellen. In vielen Regionen gehen die Ernteerträge zurück. In den Subtropen wird das Trinkwasser knapp, Cholera, Malaria und Dengue-Fieber breiten sich aus, mehr Menschen sterben an hitzebedingten Krankheiten.

Der dritte Teil des IPCC-Reports, der Anfang März in Ghana veröffentlicht wird, befasst sich mit Vorschlägen zur Reduzierung der Treibhausgase und den Kosten für eine Änderung der weltweiten Energiepolitik.

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