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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Kurt Stukenberg

SPIEGEL-Klimabericht Eine Bedienungsanleitung zur Rettung der Welt

Kurt Stukenberg
Von Kurt Stukenberg, stellvertretender Ressortleiter Wissenschaft
Der Uno-Gipfel in Glasgow ist mit rund 24 Stunden Verspätung zu Ende gegangen. Hat sich die Verlängerung gelohnt? Was von den Ergebnissen zu halten ist, wie sie zustande kamen und was die Folgen sind.

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten Stunden einer Klimakonferenz geht es um jedes einzelne Wort. Dann verhakeln sich Delegierte schonmal in einer Diskussion darüber, ob etwas »gefordert«, »angestrebt« oder nur »anerkannt« wird. Beim gerade zu Ende gegangenen Gipfel in Glasgow war das nicht anders. Noch in den letzten Minuten wurde das Bekenntnis im Abschlussdokument zum Ausstieg aus der Kohle und dem Ende fossiler Subventionen abgeschwächt. Vor allem auf Bestreben von Indien und China ist dort nun nicht mehr von »Ausstieg«, sondern nur noch von »Abbau« die Rede.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Kaum ist der Gipfel jedoch vorbei, geht es wieder um das große Ganze: Hat das Treffen wirklich geliefert, ist unter dem Strich Fortschritt erkennbar oder reicht das alles nicht für eine Kehrtwende in der Klimakrise? Die Gipfelleitung, nationale Regierungen und Staatenblöcke sowie Aktivistinnen und Aktivisten versuchen dann ihre jeweiligen Deutungen unters Volk zu bringen.

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Die Bewertung der Ergebnisse der letzten zwei Wochen fällt dieses Mal aus mehreren Gründen besonders schwer. Das liegt zum einen daran, dass sowohl die britischen Gastgeber als auch die Klimabewegung in den Wochen vor dem Start begannen, die ursprünglich als eher technisches Arbeitstreffen angelegte Zusammenkunft zu einer Art Entscheidungsschlacht um das Klima zu machen. Sie legten die Latte für einen Erfolg also sehr hoch.

Zum anderen sind die verhandelten Beschlüsse teils so technisch, dass sie sich schwer in leicht verständliche Kategorien von Erfolg und Misserfolg einsortieren lassen. Was in Glasgow vor allem erarbeitet wurde, ist eine Bedienungsanleitung zur Weltrettung – ob und wie die Staaten sie nutzen, muss sich zeigen.

Meine Kollegin Susanne Götze war auf dem Gipfel in Glasgow von Anfang bis Ende dabei, hat vor Ort immer wieder mit Delegationen der Staaten gesprochen, die Entwicklung der Verhandlungstexte und Zwischenergebnisse genau nachverfolgt und das Urteil von Expertinnen und Experten eingeholt. In einer großen dreiteiligen Analyse ordnet sie die Ergebnisse dieser 26. Weltklimakonferenz ein und erklärt sie: was ein Durchbruch ist und was nicht, wer sich im Verhandlungskrimi durchgesetzt hat – und was die kurz- und langfristigen Folgen der Entscheidungen sind.

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Auch darum ging es in Glasgow: Das 1,5-Grad-Limit aus dem Pariser Weltklimaabkommen in Reichweite zu halten

Auch darum ging es in Glasgow: Das 1,5-Grad-Limit aus dem Pariser Weltklimaabkommen in Reichweite zu halten

Foto: Yves Herman / REUTERS

Das Thema der Woche: Glasgow

So wollen die Staaten die Klimakrise lösen: Die Grad-Wanderung von Glasgow
1,5 Grad? Wir bemühen uns. Emissionsziele? Wir bessern nach. Beim größten Weltklimagipfel, den es je gab, haben sich die Staaten vor allem auf weiche Absichtserklärungen geeinigt. War er trotzdem ein Erfolg?

So lief der Schlussspurt beim Klimagipfel ab: Wer drängelte, wer bremste, wer sich durchsetzte
Ihr erpresst uns, werfen arme Nationen den reichen vor. Ihr tut nicht genug, mahnen die Industriestaaten. Die Schlussrunde der Klimakonferenz ist zur Nervenschlacht geraten. Die USA, Europa, China – wer hat sie gewonnen?

So geht es nach dem Klimagipfel weiter: Wer sich jetzt besonders anstrengen muss
Immerhin, der Kohleausstieg hat es in die Abschlusserklärung geschafft. Wie die Beschlüsse von Glasgow den Kampf gegen die Klimakrise verändern – und was auf Deutschland zukommt.

Weltklimakonferenz: Deutschlands überraschend lahme Rolle in Glasgow
Die deutschen Unterhändler müssen sich wegen der Koalitionsverhandlungen mühsam mit der möglichen neuen Regierung abstimmen. Wichtige Initiativen kann sie nicht unterzeichnen – und sendet damit ein fatales Signal.

Plateau beim CO₂-Ausstoß: Warum der unaufhaltsame Anstieg der Emissionen ein Ende hat
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Uno-Klimakonferenz: Wie werden Schiffe und Flugzeuge endlich sauber?
Luftverkehr und Schifffahrt stehen am CO₂-Pranger. Jetzt wollen sie raus aus der Schmuddelecke. Wie könnte ihr Weg in eine klimaneutrale Zukunft aussehen? Ein Überblick.

Uno-Klimakonferenz: Staaten besiegeln das Aus für den Verbrenner – aber Deutschland bremst 
Zwischen 2035 und 2040 sollen weltweit keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf die Straße rollen. Die Bundesregierung unterschreibt das entsprechende Abkommen in Glasgow allerdings nicht – warum?

Aufforstung gegen Geld: Das trügerische Wunderprogramm von Mexiko 
Präsident López Obrador will mit der Kampagne »Sembrando Vida« den Klimawandel, die Migrationskrise und die Drogenkartelle gleichzeitig bekämpfen. Eine bahnbrechende Idee? Oder ein großer Schwindel?

Welternährung und Klimakrise: »Wir können sehr viel von indigenen Menschen lernen«
Wie wir essen, zerstört die Welt. Davon ist der Agrarökonom Yon Fernández de Larrinoa überzeugt. Er erforscht die Ernährungssysteme indigener Völker und sieht dort Lösungen für die Klimakrise.

Der Klimabericht - Daten zur Lage des Planeten

Bleiben Sie zuversichtlich

Ihr Kurt Stukenberg

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