Uno-Prognose zur Weltbevölkerung Die Menschheit in 85 Jahren

Von Christina Elmer und Donya Farahani

11,2 Milliarden Menschen sollen im Jahr 2100 auf der Welt leben. Dahinter stecken teils dramatische Veränderungen, wie eine Analyse der Uno-Bevölkerungsdaten zeigt.

Menschen in China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde - noch

Menschen in China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde - noch

Foto: ChinaFotoPress/ Getty Images

Pakistan und Deutschland liegen gar nicht weit auseinander, zumindest in der aktuellen Statistik der Bevölkerungsdichte. Hierzulande leben auf einem Quadratkilometer im Schnitt 232 Menschen, in Pakistan sind es 245. Doch in Zukunft werden sich die beiden Länder mit jedem Jahr weiter voneinander entfernen. In Pakistan soll sich die Bevölkerung bis 2100 verdoppeln, in Deutschland um ein Fünftel schrumpfen.

Nur noch 63 Millionen Menschen sollen in 85 Jahren in Deutschland leben, so hat es die Uno in ihrer jüngsten Bevölkerungsprognose  berechnet. Dieser Trend betrifft ganz Europa: Von aktuell 738 Millionen Menschen soll die Bevölkerung auf nur noch 646 Millionen sinken.

Dass Europa Einwohner verliert, liegt vor allem an der Entwicklung von Osteuropa. Laut der Uno-Prognose soll die Bevölkerung von zehn osteuropäischen Staaten in den kommenden 35 Jahren um mehr als 15 Prozent sinken. Dazu gehören Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Serbien, die Ukraine sowie Bosnien und Herzegowina.

Im Jahr 2050 soll Bulgarien 28 Prozent weniger Einwohner haben als heute, 2100 sogar nur noch die Hälfte. Die Ursachen für diese Entwicklung finden sich in den heutigen Statistiken - zum Beispiel in einer Fertilitätsrate, die mit 1,5 Kindern pro Frau fast so niedrig ist wie in Deutschland, das diesem Trend aber immerhin eine konstante Zuwanderung entgegensetzen kann. Anders Bulgarien, aus dem jedes Jahr einige Tausend Menschen mehr fortgehen als einwandern.

Ähnlich stark soll nur ein Land weltweit an Einwohnern einbüßen: Japan, in dem 2100 nur noch 83 Millionen Menschen leben sollen - statt heute 127 Millionen. Übrigens wird die gesamte Region Ostasien schrumpfen, wenn auch nicht ganz so stark wie Japan. China soll 2100 nur noch etwas mehr als eine Milliarde Einwohner zählen. Aktuell sind es 1,38 Milliarden.

Auf der Weltkarte können Sie neben der Bevölkerungsentwicklung auch den Anteil der über 60-Jährigen in allen Ländern vergleichen. Klicken Sie auf ein Land, um sich die genauen Werte der Uno-Prognose anzeigen zu lassen. (Drehen Sie Ihr Mobiltelefon in die Horizontale, falls die Werte nicht komplett angezeigt werden.)

Trotz des Rückgangs in Ostasien rechnen die Forscher der Uno damit, dass Asiens Bevölkerung insgesamt wächst. Dafür sorgt vor allem der Süden des Kontinents. Indien soll im Jahr 2050 mehr Einwohner haben als China - und damit das bevölkerungsreichste Land der Welt sein.

Im Vergleich mit Afrika aber entwickelt sich Asien nur moderat. Infolgedessen sollen sich die Anteile der Kontinente an der Weltbevölkerung verschieben.

Die Bevölkerung in Afrika wird sich bis 2100 nahezu vervierfachen. Zehn Länder des afrikanischen Kontinents sollen, so die Prognose, ihre Einwohnerzahl bis dahin sogar mindestens verfünffachen, darunter Angola, Somalia, Uganda und Tansania. Am stärksten wächst die Bevölkerung in Niger, in den kommenden 85 Jahren soll sie sich verzehnfachen.

Die wichtigste Ursache für das Wachstum in Afrika ist die in vielen Ländern noch immer hohe Geburtenrate. In den vergangen zehn Jahren ist die Zahl der Kinder, die eine Frau im Durchschnitt zur Welt bringt, nur leicht gesunken. Sie liegt in Afrika bei 4,7 Kindern, im Niger sogar bei 7,6 Kindern - und ist damit dreimal so hoch wie im globalen Durchschnitt.

Zugleich ist die Lebenserwartung auf dem Kontinent seit 1950 deutlich angestiegen - von 37 auf heute immerhin 60 Jahre. Diese Tendenz soll sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen, 2100 läge die Lebenserwartung dann bei 78 Jahren.

Beide Trends würden sich in Afrika besonders stark auswirken. Denn von fünf Einwohnern sind heute drei unter 25 Jahre alt. Die Eltern von morgen also, und die Großeltern von übermorgen. Das folgende Diagramm zeigt die prognostizierte Entwicklung von Lebenserwartung und Fertilität (Geburten je Frau) für den afrikanischen Kontinent.

Die Wissenschaftler der Uno nutzen verschiedene Szenarien, um zu berechnen, wie sich die Bevölkerungszahl der Welt entwickeln kann.

In der mittleren Variante gehen sie davon aus, dass die Geburten je Frau leicht sinken werden. Sollte diese auch Fertilität genannte Rate dagegen konstant höher liegen als heute, wäre auch das Bevölkerungswachstum stärker. Bei diesem Szenario würden im Jahr 2100 dann nicht 11,2 Milliarden Menschen auf der Welt leben, sondern 16,6.

Die Spannbreite zwischen den Varianten macht deutlich, wie unsicher langfristige Bevölkerungsprognosen sind. 2003 rechneten die Wissenschaftler der Uno noch mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl ab dem Jahr 2040.

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