Uno-Weltbevölkerungsbericht 214 Millionen Frauen fehlt Zugang zu Verhütungsmitteln

Jede vierte gebärfähige Frau in Entwicklungsländern ist betroffen: Hunderte Millionen Frauen weltweit haben einem Uno-Bericht zufolge keinen Zugang zu zuverlässigen Verhütungsmitteln.

Kondome (Archiv)
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Derzeit leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung knapp 7,7 Milliarden Menschen. Im Jahr 2050 werden es nach Uno-Prognosen 9,8 Milliarden Menschen sein. Vor diesem Hintergrund hat der Uno-Bevölkerungsfonds (UNFPA) einen verbesserten und selbst bestimmten Zugang von Frauen zu Verhütungsmitteln gefordert.

"Noch immer gibt es 214 Millionen Frauen, die eine Schwangerschaft verhindern wollen, aber keine moderne Verhütungsmethode anwenden können", kritisierte die Organisation bei der Vorstellung ihres Weltbevölkerungsberichts. "Die Bevölkerungspolitik der Zukunft muss Rechte wahren und stärken."

Entwicklungsminister Gerd Müller warnte vor schweren Versorgungsproblemen in Teilen der Welt. Ohne Änderungen werde es in Afrika bis 2050 eine Verdoppelung der Bevölkerung geben. Nigeria sei dann das Land der Erde mit der drittgrößten Zahl an Menschen. Täglich wachse die Weltbevölkerung um 230 000 Menschen, im Jahr um über 80 Millionen und davon zwei Drittel in Entwicklungsländern.

"Gewinnt der Storch oder gewinnt der Pflug?"

"Die Bevölkerungsexplosion in der Welt ist nicht nur Freude, natürlich Freude über viele Babys, Kinder, sondern zugleich eine Herausforderung", sagte der CSU-Politiker. "Gewinnt der Storch oder gewinnt der Pflug? Das ist die spannende Frage." Das klare Signal sei, "wir müssen Frauen stärken und Familienplanung ermöglichen, insbesondere in den Entwicklungsländern".

Die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums habe in den Sechziger- und Siebzigerjahren eine große Besorgnis ausgelöst, teilte UNFPA mit. Mit einem weltweiten Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau habe sich diese Rate seit dem Jahr 1969 aber beinahe halbiert.

Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Entwicklungsminister Gerd Müller und Natalia Kanem von der Uno-Organisation UNFPA
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Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Entwicklungsminister Gerd Müller und Natalia Kanem von der Uno-Organisation UNFPA

Inzwischen benutze mehr als die Hälfte aller verheirateten Frauen eine moderne Verhütungsmethode. Gleichstellung sei der Schlüssel zur Stärkung der reproduktiven Rechte von Frauen und Männern. Die Uno-Organisation forderte Regierungen und die Zivilgesellschaft auf, es dürfe keinen ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln geben, keine vermeidbare Müttersterblichkeit und keine Gewalt gegen oder Praktiken zum Schaden von Frauen und Mädchen, darunter Kinderehen und Genitalverstümmelung.

Der Anteil der Frauen, die Verhütungsmittel nutzen könnten, hat sich dem Bericht zufolge in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als verdoppelt: Waren es 1969 noch 24 Prozent, so erhöhte sich die Zahl auf 58 Prozent im Jahr 2019.

Je ärmer die Frauen sind, desto geringer ist laut Bericht aber ihre Chance, an die Mittel zu kommen - das gilt sowohl in Industrie- wie auch in Entwicklungsländern. UNFPA-Geschäftsführerin Natalia Kanem teilte mit, ohne diesen Zugang fehle den Frauen die Macht, darüber zu entscheiden, ob sie schwanger werden wollten. Deswegen könnten sie auch nicht ihre eigene Zukunft gestalten.

apr/dpa/AFP

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