Uralt-Technik Hangar wird zu weltgrößter Kamera

Das größte Foto der Welt soll in Kalifornien belichtet werden - mit gigantischer Simpel-Technik. 10 mal 33 Meter groß ist der Film, 75 Liter lichtempfindliche Beschichtung wird darauf verteilt werden. Doch selbst dieser Riesenapparat ist nur eine Wegwerfkamera.


Die Materialschlacht für den Rekordversuch ist gleichzeitig eine Reise zurück zu den Anfängen der Fotografie mit der Camera Obscura. Die schlichte Optik ist bis heute beliebter Experimentiergegenstand für Grundschüler.

Motiv: Diesen Blick auf die ehemalige Militärbasis El Toro bei Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien soll die größte Kamera der Welt auf 10 mal 33 Metern Textil bannen
AP

Motiv: Diesen Blick auf die ehemalige Militärbasis El Toro bei Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien soll die größte Kamera der Welt auf 10 mal 33 Metern Textil bannen

Ein Schukarton genügt dafür: Die Oberseite mit Butterbrotpapier als Mattscheibe abdecken und in die Mitte des Bodens ein Loch stanzen - fertig ist eine simple Lochkamera. Hält man sie in Richtung Sonne, kann man auf ihrer Rückseite ein Bild des Feuerballs erkennen. Bei anderen sehr hellen Objekten geht das ebenso problemlos.

Jerry Burchfield will einen besonders großen Karton nehmen, einen sehr großen. Zusammen mit befreundeten Fotografen hat der Fotografieprofessor am College des US-Städtchens Cypress einen Flugzeughangar umgebaut. Das Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Luftwaffenbasis El Toro ist jetzt von innen so lichtdicht abgeklebt, dass kein Sonnenstrahl in die Blechhalle dringt. Nur durch ein pflaumengroßes Loch in der Schiebetür der ehemaligen Jet-Garage fällt Licht.

Zehn Tage Belichtung, 750 Liter Entwickler

Ein Test zeigte: Die riesige Kamera Obscura bildet den Blick über die Ebene des Orange County an der Rückwand des Hangars ab - kopfüber und seitenverkehrt, wie es jedes Kind im Physikunterricht lernt.

Nun hängen die Fotografen und ihre Helfer das mit 75 Litern lichtempfindlicher Flüssigkeit getränkte Riesentuch an der Rückwand auf. Zehn Tage lang wollen sie es belichten und versprechen sich so ein - schwarz-weißes - Panoramabild im Format 10 mal 33 Meter. Noch diese Woche wird die Klappe vor dem Loch geöffnet.

750 Liter Entwicklungsflüssigkeit und 2270 Liter Chemikalien werden nötig sein, um die Fotografie auf der Großbild-Leinwand zu fixieren.

Die Verleger des Guinness-Buchs der Rekorde führten eigens zwei neue Rekord-Kategorien für das Experiment der Kalifornier ein, deren megalomanische Lochkamera im Übrigen aber in ein ernsthaftes Dokumentationsprojekt eingebettet ist. Im Jahr 1999 ist die Militärbasis geschlossen worden. Seit 2002 sind, koordiniert durch das gemeinnützige Legacy Photo Project, rund 80.000 Fotos auf dem Gelände und in dessen Umgebung entstanden.

Die Freiwilligen des Projekts wollen ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte im Orange County konservieren, bevor eine Baufirma aus Florida den ehemaligen Flughafen in eine Ansammlung von Tausenden Vorort-Häusern verwandelt.

Auch vor dem Hangar werden die Abrissfahrzeuge nicht halt machen. Nach dem Rekordversuch wird er dem Erdboden gleichgemacht. Der größte Fotoapparat der Welt ist also auch die größte Wegwerfkamera.

stx/AP

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