Fotostrecke

Archäologie: 37.000 Jahre alte Höhlenmalereien in Südfrankreich entdeckt

Foto: Raphaëlle Bourrillon

Früheste Wandkunst in Frankreich 37.000 Jahre alte Höhlenmalerei entdeckt

Die Uralt-Graffitis lassen Forscher jubeln. Archäologen haben in Südfrankreich die womöglich ältesten Höhlenzeichnungen überhaupt entdeckt. Es handelt sich vor allem um Darstellungen des weiblichen Geschlechts.

Hamburg - Dass der Mensch gern Dinge an Wände schreibt und malt, und dass er dafür gern erotische Begriffe oder Motive wählt, ist bekannt. Tatsächlich hat dieser Brauch eine längere Tradition als bislang gedacht: Bei den mit 37.000 Jahren möglicherweise ältesten "Graffiti" der Welt, die ein internationales Forscherteam in Südfrankreich entdeckte, fanden sich in erster Linie Abbildungen der Vulva, wie die Forscher um Randall White (New York University) in der jüngsten Ausgabe des Magazins "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS")  berichten.

"Diese Kunst scheint etwas älter zu sein als die berühmten Malereien der Chauvet-Höhle im Südosten Frankreichs", sagt der Anthropologe White.

Die Wissenschaftler waren 2007 im Dordogne-Tal nahe dem Ort Abri Castanet auf den 1,5 Tonnen schweren Gesteinsbrocken aufmerksam geworden. Der Brocken muss Rentierjägern einst als Wetterschutz gedient haben, sagt White. Als er aus dem Felsen brach, fiel er so zu Boden, dass die Unterseite mit den Malereien optimal konserviert wurde.

Stück für Stück haben die Archäologen seither den Stein abgetragen, die Schicht mit den Zeichnungen geborgen und analysiert. Die eingeritzten Bilder an der mit Ockerfarbe bemalten Fläche zeigen unter anderem eine unvollendete Tierfigur bestehend aus Kopf, Vorderbeinen und Bauch. "Das Hinterende dieser vielleicht einen Bison darstellenden Figur wurde offenbar nicht mehr fertig gemalt", sagt White. Neben der Tierfigur findet sich eine ovale Form, die die Forscher als Darstellung des weiblichen Geschlechtsteils, der Vulva, deuten.

Solche Vulva-Abbildungen seien durchaus typisch für diese Zeit und Region. Bei der 15 Jahre dauernden Untersuchung fanden die Anthropologen aus Knochen gefertigte Werkzeuge und Waffen.

Da die Gravuren die Unterseite des Kalksteinblocks zierten, gehen die Forscher davon aus, dass die Rentierjäger die Decke ihrer Felsbehausung bemalt haben müssen. Ihren Messungen nach war die Höhle vor ihrem Einsturz etwa zwei Meter hoch. Damit sei die Decke gerade noch niedrig genug, um von den Rentierjägern mit ausgestreckten Armen erreicht zu werden, sagen die Forscher.

Kohlenstoffdatierung belegt Alter der Malerei

"Im Gegensatz zu den bekannten Gemälden in der Grotte Chauvet, die tief unter der Erde und damit fern von den Lebensräumen der damaligen Menschen lagen, waren diese Malereien in der Nähe ihrer Feuerstellen oder Werkstätten entstanden - und damit in Verbindung mit dem alltäglichen Leben", erklärt White. Darauf deuteten die begleitenden Funde von Schmuck und Alltagsgegenständen hin. White schloss aus den Funden: "Frühe Menschen funktionierten mehr oder weniger wie die Menschen heute".

Dass die Malereien rund 37.000 Jahren alt sind, konnten die Wissenschaftler an zweierlei Befunden festmachen. Zunächst wiesen sie mit Hilfe der Radiokohlenstoffdatierung nach, dass die Oberfläche der Höhlendecke und der ehemalige Höhlenboden diesem Alter entsprechen. Zudem hatten die Archäologen die bemalte Unterseite des Steinblocks direkt auf dem Höhlenboden gefunden - ohne Zwischenschichten, die sich im Laufe der Zeit hätten ablagern können. Das deute darauf hin, dass die Höhle bereits kurze Zeit nach dem Bemalen eingestürzt sein müsse, sagen die Forscher. Die Rentierjäger seien vor 37.000 Jahren daher vermutlich die letzten Besucher der Höhle gewesen.

Die zuvor ältesten bekannten Höhlenmalereien der Grotte Chauvet werden auf 30.000 bis 32.500 Jahre datiert. Damit sind sie rund 5000 Jahre jünger als die Neuentdeckung in der Dordogne. Die eingestürzte Höhle Abri Castanet gilt bereits seit langem als eine wichtige Ausgrabungsstätte in Europa. In den vergangenen 15 Jahren haben Archäologen dort Hunderte von Schmuckstücken wie durchbohrte Tierzähne und Muscheln oder sogar geschliffene Perlen ausgegraben.

nik/dpa/dapd