Urzeit Älteste Zecke lässt Forscher rätseln

Eine 90 Millionen Jahre alte Zecke, die zur Zeit der Dinosaurier lebte, stellt Experten vor ein Problem: Wie kam sie von Südamerika nach New Jersey?

Columbus - Unter Entomologen ist die Auffassung verbreitet, dass die Vorfahren der heutigen Zecken aus Südamerika stammen. Doch ausgerechnet die älteste je gefundene Zecke scheint diese Theorie zu widerlegen - sie lebte vor 90 Millionen Jahren in Nordamerika, weit entfernt vom angenommenen Stammland. Mitarbeiter des American Museums of Natural History in New York hatten das Spinnentier vor einiger Zeit in einem Bernsteinblock entdeckt, der in New Jersey zu Tage gefördert worden war.

"Die Vorstellung, dass die Zecken ihren Ursprung in Südamerika haben, wurde durch diesen Fund nicht gerade unterstützt", muss der Entomologe Hans Klompen von der Ohio State University einräumen, der mit der Klassifizierung beauftragt war. "Das Exemplar ist so alt, dass es eigentlich nicht in New Jersey hätte entdeckt werden dürfen." Der Forscher berichtet über seine Studien in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Annals of the Entomological Society of America".

Nicht nur der Fundort der Zecke stellt die Experten vor ein Rätsel. Der mysteriöse Parasit mit dem wissenschaftlichen Namen Carios jerseyi ist eine so genannte Lederzecke, weist aber auf der Rückseite zwei Reihen feiner Härchen auf, die für diese Familie unüblich sind. "Lederzecken haben normalerweise viel weniger Härchen, die über den ganzen Körper verteilt sind", erklärt Klompen. "Aber diese Zecke ist wesentlich näher an dem, was ich vom evolutionären Ursprung aller Zecken erwarten würde."

Zwar könnte die New-Jersey-Zecke zu ihren Lebzeiten Blut von Dinosauriern gesaugt haben, doch Klompen hält ein anderes Wirtstier für wahrscheinlicher. Der Parasit ähnelt dem Forscher zufolge Zeckenarten, die sich auf Vögel spezialisiert haben. Diese mögliche Familienbande könnte - zusammen mit der Feder eines unbekannten Vogels, die im selben Bernsteinblock gefunden wurde - auch eine Erklärung für den ungewöhnlichen Fundort liefern: "Die Feder legt die Vermutung nahe, dass die Zecke auf einem Seevogel nach Nordamerika gelangte", spekuliert Klompen.

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