Corona-Pandemie Neue Mutation in Kalifornien beunruhigt Forscher

In Kalifornien und weiteren US-Bundesstaaten kursiert eine Corona-Mutation, die ansteckender und gefährlicher sein könnte. Noch ist die Datenlage unklar, aber manches wirkt beunruhigend.
Menschen in einer Einkaufsstraße in Los Angeles

Menschen in einer Einkaufsstraße in Los Angeles

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Robert Gauthier / Los Angeles Times / Getty Images

Das Coronavirus verändert sich ständig. Aber manchmal entstehen bei diesen zufälligen Kopierfehlern in den Wirtszellen neue Viren, die plötzlich einen Vorteil gegenüber dem Wildtyp haben und damit potenziell gefährlicher werden. Etwa, weil sie sich leichter verbreiten können.

Solche Anpassungen des Virus beunruhigen Wissenschaftler – sie sprechen von »variants of concern«. Derzeit sind es die britische Mutation B 1.1.7 und jeweils eine Variante, die erstmals in Südafrika und in Brasilien auftauchte, die für Bedenken sorgen.

Nun ist in Kalifornien eine weitere Mutation aufgetaucht, sie hat sich bereits in andere US-Bundesstaaten ausgebreitet und wurde auch in Ländern wie Australien, Dänemark und Mexiko nachgewiesen. Erstmals wurde sie im Dezember entdeckt , berichtet das Fachmagazin »Science« . Untersuchungen legen nahe, dass diese Variante von Sars-CoV-2 nicht nur ansteckender sein könnte, sondern wohl auch heftigere Verläufe nimmt. Demnach kommt es häufiger zu intensivmedizinische Betreuung und zu Todesfällen – allerdings ist die Datenlage hier noch sehr dünn.

Laut einer Studie  erreichte die neue Variante bei mehr als 2000 Proben Ende Januar bereits einen Anteil von rund 50 Prozent, während sie bei Proben aus dem September noch gar nicht nachgewiesen werden konnte. Sie stammten von Patienten in 44 kalifornischen Bezirken. Die Forscher bezeichnen die Variante als B.1.427 und B.1.429 – sie tritt mit leicht unterschiedliche Mutationen auf. Unter einem anderen Namensschema wird sie auch als 20C/L452R bezeichnet.

Statistik noch schwach

Allerdings zitiert »Science« auch Wissenschaftler, die noch skeptisch sind und die Schlussfolgerungen von einer Variante mit heftigeren Krankheitsverläufen und höheren Todesraten angesichts der statischen Datenlage für verfrüht halten. Zudem ist die Studie, die Forscher um den Mediziner Charles Chiu durchgeführt haben, einem Sequenzierungsspezialisten von der University of California, noch nicht von unabhängigen Fachkollegen begutachtet worden.

Weitere Untersuchungen legen allerdings nahe, dass B.1.427 / B.1.429 tatsächlich ansteckender ist: Die Infizierten wiesen in ihren Nasen eine rund doppelt so hohe Virenkonzentration auf. Bei Labortests waren die Mutationen besser in der Lage, menschliche Zellen und lungenähnliche Strukturen zu befallen als Kontrollviren. Hier lag die Rate rund 40 Prozent höher. Zudem soll sich die neue Variante in einem Pflegeheim sehr viel schneller verbreitet haben als in vier vergleichbaren Einrichtungen, in denen andere Virusvarianten kursierten.

Beunruhigend sind zudem auch Erkenntnisse zur einer schlechteren Immunantwort des Körpers. Antikörper von Menschen, die Infektionen durchgemacht hatten, verhinderten zumindest im Labor eine erneute Ansteckung mit der neuen Variante nicht so gut. Auch für Menschen, die mit den Impfstoffen von Pfizer oder Moderna geimpft waren, könnte es ein höheres Risiko für eine weitere Infektion geben. Es sei aber noch nicht klar, ob Impfstoffe weniger wirksam gegen B.1.427 / B.1.429 seien. Die Auswirkungen auf die Immunität scheinen nach bisherigen Kenntnissen aber nicht so heftig auszufallen wie bei der Variante aus Südafrika.

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Andere Mutationen als bei den bisherigen Varianten

B.1.427 / B.1.429 trägt verschiedene Mutationen, aber drei scheinen besonders relevant zu sein. Sie wirken sich auf das Spike-Protein aus, mit dem das Virus an menschliche Zellen andockt. Vor allem Mutation L452R scheint die Infektiosität zu erhöhen. Sie stabilisiert offenbar die Interaktion zwischen dem Spike-Protein und dem Rezeptor, den das Virus verwendet. Keine der drei Spike-Mutationen findet sich in den Virusvarianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien.

Laut der »New York Times«  sind die Forscher eher zufällig auf die Variante gestoßen. Chiu wollte Ende Dezember eigentlich überprüfen, wie stark sich die britische Variante in Kalifornien ausgebreitet hatte, und sequenzierten deshalb das Genom von positiven Coronavirus-Tests. Dabei stieß er auf die neuen Mutationen. Fast zeitgleich haben Forscher am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles die gleiche Entdeckung gemacht.

joe