USA Pornoskandal gefährdet Wissenschaftsförderung

Ein Fünftel der Arbeitszeit mit Porno-Surfen verpulvert: Weil Manager der National Science Foundation in den USA auf Abwegen im Netz unterwegs waren, will ein Republikanischer Senator ihnen den Geldhahn zudrehen. Es geht um drei Milliarden Dollar für die Grundlagenforschung.


Die National Science Foundation (NSF) ist ein wichtiger Financier der Wissenschaftslandschaft in den USA. Mit mehr als sechs Milliarden Dollar hat die Regierungsbehörde im vergangen Jahr die Grundlagenforschung gefördert - und damit ein Fünftel der staatlichen Unterstützung in diesem Bereich verteilt. Vor allem in Mathematik, Informatik und den Sozialwissenschaften sind die Transfers der NSF überlebenswichtig für die Forschung.

Republikaner Grassley: "Ich glaube, sie sollten. Ich glaube, sie müssen."
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Republikaner Grassley: "Ich glaube, sie sollten. Ich glaube, sie müssen."

Nun könnte das neue Budget der Organisation in Gefahr sein. Schuld daran sind ein wütender Senator - und pornokonsumierende Wissenschaftsförderer. Über sie echauffiert sich der Republikaner Charles Grassley. Denn offensichtlich haben zahlreiche NSF-Mitarbeiter neben ihrer beruflichen Tätigkeit noch Zeit für Nebenbeschäftigungen gefunden. Sie streiften in den Rotlichbezirken des Netzes herum. In einem Halbjahresbericht hat die NSF über zahlreiche interne Ermittlungen wegen exzessiven Sex-Surfens berichtet, eher diskret wie es schien.

Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Der notorisch kampfeswillige Grassley - er hatte sich in früheren Jahren zum Beispiel das FBI oder die Gesundheitsbehörde NIH vorgenommen - ist wütend. Er verweist etwa auf einen Fall, in dem sich ein leitender Mitarbeiter über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Fünftel seiner Arbeitszeit mit Schmuddelbildern und -chats vertrieben hatte. Der Kongress solle deswegen eine Drei-Milliarden-Überweisung an die NSF - eigentlich zur Konjunkturförderung geplant - noch einmal überdenken: "Ich glaube, sie sollten. Ich glaube, sie müssen", forderte der Senator aus Iowa.

Allein dieser Fall von Pornokonsum hätte den Steuerzahler 40.000 Dollar gekostet. Dazu kämen weitere Fälle, in denen sexuell explizites Material per Mail verschickt wurde.

Bei der NSF ist man angesichts des drohenden Finanzstopps alarmiert. Behördensprecher Jeff Nesbit sagte, drei Mitarbeiter seien bereits entlassen worden. Außerdem habe es mehrere Disziplinarstrafen gegeben. Mit technischen Mitteln solle den NSF-Mitarbeitern in Zukunft der Besuch von Pornoseiten ebenso verboten werden, wie der von Onlinecasinos.

Grassley ist ein führender Kopf im Finanzkommitee des Senats. Er hat zusätzliche Akten von der NSF angefordert - und ist offenbar gerade dabei, sich in die Angelegenheit zu verbeißen.

chs/AP



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