USA Siamesische Zwillinge mit nur einer Niere getrennt

Weil die Mädchen Kendra und Maliyah sich nur eine Niere teilten, haben die Ärzte lange gezögert. Nun wurden die siamesischen Zwillinge getrennt. Die Operation war medizinisch einzigartig.


Salt Lake City - Sie sind getrennt, aber die Operation dauert noch an. Kendra und Maliyah Herrin werden in unterschiedlichen Operationssälen weiterbehandelt. Das alleine erleichtert Eltern wie Ärzte - und ist eine medizinische Neuigkeit. Es war der erste Versuch, siamesische Zwillinge zu trennen, die sich nur eine Niere teilen. Die vierjährigen Mädchen waren an der Hüfte zusammengewachsen und hatten zusammen auch nur zwei Beine. Neben der Niere teilen sie sich eine Leber und einen Teil des Dickdarms.

Die auf etwa 24 Stunden angesetzte Operation verlief nach Angaben der Ärzte in Salt Lake City zunächst gut. Zwölf Stunden nach Beginn des Eingriffs hätten sich die beiden Kinder in einem stabilen Zustand befunden. Den Medizinern zufolge sollte jedes Mädchen ein Bein erhalten. Während Kendra die Niere behalten sollte, wird Maliyah die nächsten drei bis sechs Monate auf eine Blutwäsche angewiesen sein. Später soll sie eine Spenderniere von ihrer Mutter erhalten. Die Leber und der Dickdarm der Mädchen sollten operativ geteilt werden. Insgesamt benötigten die Chirurgen 26 Stunden für alle Eingriffe - und damit zwei Stunden mehr als veranschlagt.

Die Trennung siamesischer Zwillinge findet meist im ersten Lebensjahr statt. Bei Kendra und Maliyah wurde die Operation wegen des besonderen Problems nur einer Niere jedoch verschoben. Weil dann die Mutter der Mädchen im vergangenen Jahre erneut mit Zwillingen schwanger wurde, kam sie als Organspenderin vorübergehend nicht in Frage: Mittlerweile hat sie zwei gesunde Jungen zur Welt gebracht - und die Trennung konnte gewagt werden.

"Es geht ihnen großartig", teilte der Vater der vierjährigen Mädchen, Jake Herrin, auf der Familienwebsite mit. Das 35-köpfige Klinik-Team am Primary Children's Hospital in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah benötigte aber noch mehrere Stunden, um die beiden Operationen zu Ende zu führen.

"Läuft prima, keine wie auch immer gearteten Probleme", kommentierte die leitende Kinderchirurgin Rebecka Meyers. Sie sagte, die einzelnen Operationen, die die Ärzte bei Kendra und Maliyah vornähmen, würden regelmäßig bei vielen Patienten durchgeführt - nur eben nicht bei solchen, die zusammengewachsen wären.

Nach der erfolgreichen Operation zeigten sich die Ärzte zwar erleichtert, wiesen aber auf die enormen Risiken in den kommenden Tagen hin: Die Körper seien stark beansprucht worden, die Wunden der Operation stellten Pforten für gefährliche Infektionen dar. Die Mädchen sind in Gaze eingewickelt und werden intensivmedizinisch versorgt. "Es war eine schwere Entscheidung, sie zu trennen oder nicht", sagte Meyers, "aber jetzt fühle ich mich gut."

Die beiden Mädchen waren so geboren worden, dass sie in ständiger Umarmung verwachsen zu sein schienen. Siamesische Zwillinge gibt es statistisch einmal alle 50.000 bis 100.000 Geburten, aber nur in einem von fünf Fällen überleben sie lange genug, um als Kandidaten für eine operative Trennung in Frage zu kommen.

stx/AFP/AP/dpa



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