USA Zuviel Fett vereitelt Röntgen-Aufnahmen

Fettleibigkeit breitet sich in den USA wie eine Epidemie aus - und macht nicht selten krank. Aber gerade stark beleibte Patienten können zuweilen nicht mehr richtig untersucht werden: Sie passen nicht in die CT-Röhre, oder ihr Bauchfett behindert Röntgen und Ultraschall.


Boston - So kann man das Fettsuchtproblem natürlich auch betrachten: Mit einem Anteil von derzeit über 60 Prozent Übergewichtiger oder Fettsüchtiger an der US-Bevölkerung, verschlimmert sich das Problem fortwährend. Manche Experten halten bisherige Zahlen gar für grob nach unten verzerrt. Aber für Gerätehersteller und Krankenhäuser eröffnet das eben auch ganz neue Geschäftsmöglichkeiten.

Radiologie: Beleibte Patienten passen nicht mehr in die Röhre
DDP

Radiologie: Beleibte Patienten passen nicht mehr in die Röhre

Raul Uppot, ein Radiologe am Massachusetts General Hospital in Boston, hat sich angeschaut, was die wachsende Zahl schwer Übergewichtiger für seine Zunft bedeutet. Ein bestimmter Vermerk verriet es ihm.

"Images are limited due to body habitus" - das notieren Radiologen, wenn die übermäßige Leibesfülle eines Patienten sie dabei behinderte, seinen Körper zu durchleuchten. "In den letzten Jahren ist uns aufgefallen, wie Fettleibigkeit unser Vermögen beeinflusst, auf solchen Bilder klar zu sehen", sagte Uppot.

So haben er und sein Forschungsteam alte Patientenunterlagen aus den Jahren 1989 bis 2003 durchforstet. In den letzten fünfzehn Jahren habe sich die Zahl der Einschränkungen durch Fettleibigkeit verdoppelt, schreiben sie im Fachmagazin "Radiology". Die Mediziner hatten sich dazu Unterlagen gewöhnlicher Röntgenaufnahmen genauso angeschaut, wie CT-, MRI- und PET-Untersuchungen. Sie dienen unter anderem der Diagnose von Tumoren, Blutgerinnseln, versagender Organe, Brüchen und inneren Verletzungen. Zwar sei die Gesamtzahl gering, der Anstieg nichtsdestotrotz bemerkenswert.

Dickere Patienten, größere Apparate

Bei den hochtechnischen CT- und MRI-Scannern, machte die Leibesfülle die Untersuchung zuweilen komplett unmöglich: Einige Patienten waren zu dick, um in die Röhren der Apparate geschoben zu werden. Auch bei herkömmlichen bildgebenden Verfahren macht ein dicker Bauch dem Radiologen zuweilen einen Strich durch die Rechnung - wenn nämlich das Körperfett so dicht ist, dass Röntgenstrahlen oder Schallwellen dadurch beeinträchtigt werden. Dies gelte besonders bei Ultraschalluntersuchungen. "Das betrifft Radiologen im ganzen Land", sagte Uppot.

"Bei einer adipösen Person kann der Ultraschallstrahl die Organe nicht oder nicht angemessen erreichen und wir bekommen kein Bild", sagte Uppot. Das sehe aus wie ein Schneesturm, wie ein Fernsehgerät ohne Empfang, beschrieb der Arzt weiter.

Übergroße OP-Hemden und längere Nadeln sind in US-Kliniken schon im Einsatz. Nun stellen sich auch erste Medizintechnik-Produzenten - Geräte für bildgebende Verfahren können leicht mehrere Millionen Euro pro Stück kosten - auf die dickeren Patienten ein. So gibt es bereits Scanner mit größerer Öffnung für beleibtere Patienten. "Es gibt einen Markt", sagte Uppot, "wir selbst werden drei solcher Geräte kaufen und aufstellen." Lohnend sei diese Investition in Übergrößen allerdings nur für wirklich große Kliniken.

stx/rtr



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