Beliebte Redensarten Geht Liebe wirklich durch den Magen?

Zuneigung lässt sich auf vielfache Weise beschreiben: Manche sind schier blind vor Liebe. Andere können sich besonders gut riechen. Was hinter den Liebesfloskeln steckt.

Paar beim Essen (Symbolbild)
Getty Images/Westend61

Paar beim Essen (Symbolbild)


Zum Valentinstag säuseln sich so manche Frischverliebten den einen oder anderen Liebesschwur ins Ohr. Doch was ist aus wissenschaftlicher Sicht an den Floskeln dran? Und was, wenn man am Ende allergisch aufeinander reagiert? Ein fachlicher Blick auf das Phänomen Liebe.

"Liebe geht durch den Magen"

Frisch Verliebte können angeblich allein von Luft und leben. Verantwortlich dafür ist wohl das Hormon Phenylethylamin, das bei neuen Paaren reichlich gebildet wird und zu einem gezügelten Appetit führt. Anders sieht es in längeren Beziehungen aus: Studien zeigen, dass glückliche Partner im Schnitt mehr wiegen als Singles. Menschen in harmonischen Partnerschaften wiegen zudem mehr als solche in kriselnden. "Dies ist womöglich auf den sinkenden Konkurrenzdruck in glücklichen Partnerschaften zurückzuführen", berichten Martina Müller-Schilling, Sophie Schlosser und Stephan Schmid vom Uniklinikum Regensburg (UKR).

In der Phase der Verliebtheit werde der Körper auch von den Geschlechtshormonen Testosteron und Östrogen reguliert. "Diese werden hauptsächlich unter Stresseinfluss ausgeschüttet und führen zu einem unruhigen Magendarmtrakt." Für das Kribbeln im Bauch ist übrigens Adrenalin verantwortlich, dass beim Anblick des Gegenübers im Zusammenspiel mit Glückshormonen ein solches Gefühl hervorruft.

"Sich riechen können" oder "Da stimmt die Chemie"

Manchmal passe es einfach nicht zwischen zwei Menschen, erklärt Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München. Doch scheint in der Liebe die Devise "je fremder, desto besser" zu gelten. Dabei geht es eigentlich um Immun-Gene, wie Bernhard Weber, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg, erklärt. Diese spielen bei der Abwehr von Krankheitserregern eine Rolle. Und je unterschiedlicher der Genpool von Mutter und Vater, desto besser ist der Nachwuchs gegen Krankheitserreger gewappnet.

Traidl-Hoffmann sagt, es gebe Hinweise, dass Moleküle auf Oberflächen von Zellen, die bei der Erkennung des Immunsystems über Freund oder Feind entscheiden, Duftkomponenten entstehen lassen. "Das trägt zum Körpergeruch bei." Und über die Luft gelangen die Moleküle an die Riechrezeptoren in der Nase. "Das Gehirn entscheidet: passt oder passt nicht." Tests zufolge reicht laut Weber schon der Geruch eines getragenen T-Shirts aus, damit man einen Partner mit deutlich anderen Immun-Genen erkennt.

"Interessant ist zudem, dass es offensichtlich ein Optimum für den genetischen Unterschied der Immunausstattung von zwei Sexualpartnern gibt", sagt der Forscher. Zu viel Diversität könne zu autoaggressiven T-Zellen führen, die womöglich körpereigenes Gewebe angreifen und Autoimmunerkrankungen auslösen.

"Gleich und gleich gesellt sich gern"

Gerade bei auf Dauer angelegten Beziehungen ähnelten sich Partner nachweislich sehr häufig, sagt der Psychologe Roland Deutsch von der Würzburger Universität. Das sei für das Zusammenleben wichtig: "Eine total introvertierte Person wird es schwierig haben mit einem sehr Extrovertierten, eine Nachteule mit einem Frühaufsteher." Homogamie heißt der Fachbegriff für Gleichartigkeit von Partnern etwa beim sozioökonomischen Status oder der Attraktivität.

Nun könnte man meinen, jeder hätte gern einen besonders attraktiven Partner. "Aber es gibt einen Marktaspekt", sagt Deutsch. Die Attraktivsten finden sich, dann die Zweitattraktivsten und so weiter. "Und wenn es eine starke Unähnlichkeit gibt, fördert das die Eifersucht bei den Partnern, die schlechter abschneiden."

"Gegensätze ziehen sich an"

Dieses Sprichwort treffe deutlich seltener zu, sagt Roland Deutsch. Es gebe manchmal den "Romeo-und-Julia-Effekt". Das heißt, dass eine Beziehung kurzfristig gestärkt wird, wenn das Paar das Gefühl hat, dass das Umfeld sie nicht gutheißt. Bei Heterosexuellen unterschieden sich Männer und Frauen teils auch hinsichtlich ihrer Vorlieben bei der Partnerwahl. So achteten Männer beim anderen Geschlecht beispielsweise tendenziell stärker aufs Aussehen als Frauen. Johannes Kornhuber, Psychiater am Uniklinikum Erlangen, ergänzt: Frauen suchten eher nach Status und Intelligenz. "Dies passt zu dem Klischee eines mächtigen Mannes mit hübscher Frau an seiner Seite."

Treffen unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen aufeinander, habe das durchaus Vorteile wie ausgewogenere Sichtweisen und klügere Handlungen, sagt Kornhuber. "Dies ist ein wichtiges Argument für das Streben nach Diversität in Firmen. Und dies gilt auch in einer Zweierbeziehung." In der asiatischen Tradition stünden Yin und Yang für einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte. Dabei stehe das weiße Yang für männlich (aktiv, Bewegung) und das schwarze Yin für weiblich (passiv, Ruhe).

"Wie bei Yin und Yang ergeben gerade die unterschiedlichen Sichtweisen in der Zusammenschau ein harmonisches und besseres Ganzes." Auch manche gegensätzlichen Persönlichkeitseigenschaften passten wie ein Schlüssel ins Schloss, etwa sich gerne führen lassen und gerne führen.

"Liebe macht blind"

Ein Botenstoff, der im Gehirn das Gefühl von Verliebtheit entstehen lässt, ist Dopamin. Thomas Loew, Leiter der UKR-Abteilung für Psychosomatische Medizin, vergleicht die Wirkung mit einer wahnhaften Störung. Amerikaner sagten dazu jargonhaft "firm, fixed, false idea". "'Firm' bedeutet, die Person ist von dem Sachverhalt überzeugt, ohne dass es weitere Argumente bräuchte. 'Fixed' meint, der Zustand hält einige Zeit an, allgemein bei der Verliebtheit etwa sechs Wochen. 'False' bedeutet, dass nicht unbedingt jeder im Umfeld die uneingeschränkt positive Bewertung des Objekts der Begierde teilt", so Loew. Oder anders gesagt: Verliebte sind blind für etwaige Fehler des Geliebten.

Endorphine, die Glücksgefühle vermitteln und schnell Zufriedenheit herstellen können, führen laut Loew dazu, dass Liebende sich zumindest anfangs vollkommen ausreichten. "Kommt dann noch die körperliche Berührung ins Spiel, wird zusätzlich Oxytocin aktiviert, das auf Dauer eine Bindung entstehen lässt."

"Von Liebe infiziert"

Der Leiter der Stabsstelle Infektiologie des UKR, Bernd Salzberger, vermutet keinen wissenschaftlichen, sondern eher einen kulturellen Hintergrund dieser Floskel, da der Begriff lange vor einem modernen Verständnis von Infektionskrankheiten entstanden ist. "Wie eine Infektionskrankheit kann auch die Liebe Menschen so transformieren, dass die Umgebung annimmt, hier sei es zu einem Verlust der Gesundheit - oder des gesunden Menschenverstands - gekommen", erklärt der Mediziner. Und der Pfeil Amors könne als Bild eines Infektionserregers gedeutet werden. Auch sei Liebe als Phänomen ansteckend, trete also in Gruppen gehäuft und in zeitlichem Zusammenhang auf.

"Allergisch aufeinander reagieren"

Auch wenn es mal nicht passt mit einem Gegenüber, haben Forscher eine mögliche wissenschaftliche Erklärung parat: So können etwa Duftstoffallergien jede Zweisamkeit verderben. Die in Parfüms, Cremes oder Seifen enthaltenen Substanzen wie Eugenol oder Limonen lösten bei einigen Menschen Allergien aus, so Traidl-Hoffmann. "Wenn man darauf allergisch ist, reicht schon eine geringe Menge." Doch auch hier gilt der Spruch, die Dosis mache das Gift: "Je länger der Abstand ist, desto besser.

"Wenn Sie sich morgens einparfümieren, geht das Date am Abend deswegen nicht in die Hose." Wo wir schon mal an der Gürtellinie sind, weist die Medizinerin auf einen weiteren möglichen Lustkiller hin: "Es gibt Frauen, die auf Sperma allergisch reagieren." Auslöser ist das prostataspezifische Antigen, das zu Verflüssigung des Ejakulats beiträgt.

Von Marco Krefting, dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
halverhahn 14.02.2019
1. Recht guter Artikel...
... aber mit zum Teil doch auch deutlichen Widersprüchen... So bspw in den Punkten "gleich und gleich" bzw "Gegensätze ziehen sich an". Letztlich bleibt wohl als Fazit: Wo die Liebe hinfällt... das kann man vielfach einfach nicht logisch bzw. überhaupt nicht nachvollziehbar begründen!!
Envoye 18 14.02.2019
2. "Liebe...
geht durch den Magen" sagte der Löwe zum Zebra und fraß es auf. ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.