Deutlicher weniger Treibhausgase Wie vegetarischer Fleischersatz die Umwelt schont

Steak aus Rindfleisch, Insekten oder Soja: Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt nun, welche Ernährung am meisten Emissionen spart.
Veggie-Fleisch: Fleischproduktion verursacht ein Fünftel der menschengemachten Treibhausgasemissionen

Veggie-Fleisch: Fleischproduktion verursacht ein Fünftel der menschengemachten Treibhausgasemissionen

Foto: Andreas Arnold/ dpa

Im Vergleich zu konventionell erzeugtem Fleisch haben pflanzliche Ersatzprodukte laut Umweltbundesamt (UBA) eine bessere Umweltbilanz. "Fleischersatz könnte eine große Rolle bei einer umweltschonenderen und auch gesünderen Ernährung spielen", sagte Behördenpräsident Dirk Messner.

Seit 1990 hat sich der globale Fleischverbrauch auf mehr als 320 Millionen Tonnen etwa verdoppelt. Hält der Trend an, wird der Fleischkonsum in den kommenden drei Jahrzehnten um weitere 85 Prozent steigen. Dabei dienen schon jetzt etwa 70 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Fleischproduktion, die laut Schätzungen der Uno fast ein Fünftel der menschengemachten Treibhausgasemissionen verursacht.

Jeder Deutsche isst im Schnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr

Im Vergleich zu Rindfleisch entstehen laut der Studie bei der Herstellung von pflanzlichen Ersatzprodukten bis zu ein Zehntel weniger Treibhausgase. Auch der Wasser- und Flächenverbrauch ist um ein Vielfaches geringer, da Pflanzen wie Weizen und Soja nicht erst als Tierfutter genutzt werden, sondern ohne große Umwege auf dem Teller landen.

Ein Beispiel: Für die Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis werden 2,8 Kilogramm Treibhausgase ausgestoßen. Für Schweinefleisch beträgt der Ausstoß 4,1 Kilogramm, für Geflügel 4,3 Kilogramm und für Rindfleisch sogar 30,5 Kilogramm.

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Für eine gesunde und nachhaltige Ernährung empfiehlt die sogenannte EAT-Lancet-Kommission maximal 15 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr. Laut Umweltbundesamt liegt der tatsächliche Fleischkonsum in Deutschland mit etwa 60 Kilogramm deutlich darüber.

Sollte der Lebensmittelpreis auch Umweltschäden berücksichtigen?

Die größten Probleme mit dem pflanzlichen Fleischersatz sieht das Umweltbundesamt bei der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung und den politischen Rahmenbedingungen. "Solange der Preis der Lebensmittel nicht auch die Umweltschäden widerspiegelt, wird das billige Nackensteak noch länger den Vorzug vor einem Sojaschnitzel bekommen", sagte Messner. Gerade wegen der jüngsten Corona-Ausbrüche in Fleischfabriken werden Forderungen laut, Fleischpreise anzuheben .

Ersatzprodukte auf Insektenbasis schneiden bei der Umweltbilanz etwas schlechter ab als pflanzliche Produkte. Gegenüber Rind, Schwein und Huhn ist die Ökobilanz aber immer noch besser, da Insekten Futtermittel effizienter verwerten könnten. Den Treibhausgasausstoß für die Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Insektenbasis berechnet die Studie mit drei Kilogramm. Ob Insektenfleisch besser für die Gesundheit ist, lässt sich laut UBA noch schwer einschätzen - oft enthält es mehr Eiweiß als Fleisch, trägt aber auch ein Risiko für bestimmte Allergiker.

Die Umweltbilanz für sogenanntes In-Vitro-Fleisch, also Fleisch, das künstlich im Labor gezüchtet wird, lasse sich kaum ermitteln, weil es bisher nicht auf dem Markt verfügbar ist. Erste Prototypen von Burgern aus dem Bioreaktor kosteten bis zu 250.000 Dollar.

koe/dpa