Vegetarismus Ovo, Lacto oder lieber Pudding?

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Von Sandra Kaselow und Cinthia Briseño

2. Teil: Gemäßigte Vegetarier - Ovo, Lacto, Pesco oder Pudding?


Die in unserem alltäglichen Sprachgebrauch übliche Verwendung des Wortes "Vegetarier" ist nicht exakt - und ein Ärgernis für all jene, die in ihrer tierlosen Ernährung rigoros sind. Schon der gemeine Vegetarier, der sich als solcher bezeichnet, muss korrekterweise in verschiedene Untergruppen gepackt werden. Diese kennzeichnet man durch eine entsprechende Vorsilbe, die darauf hinweist, welche Produkte tierischen Ursprungs man nicht aus dem Speiseplan verbannt hat. Gemäß diesen Regeln gibt es:

  • Ovo-Lacto-Vegetarier: Sie verzichten auf Fleisch, Geflügel und Fisch, nicht aber auf Eier oder Milchprodukte.
  • Ovo-Vegetarier: Sie schließen alle tierischen Produkte aus, verzichten aber nicht auf das Frühstücksei.
  • Lacto-Vegetarier: Eier von Hennen sind nicht im Speiseplan erlaubt, dafür machen diese Vegetarier vor Milchprodukten nicht halt.

Eine weitere interessante Ausprägung des gemäßigten Vegetarismus - obwohl man sich in Vegetarierkreisen nicht ganz einig darüber ist, ob man deren Anhänger überhaupt zu seinesgleichen zählen möchte - ist der Pescetarismus. Nach der Vorsilben-Methode könnte man Pescetarier als Ovo-Lacto-Pesco-Vegetarier bezeichnen: Denn Pescetarier verzichten genaugenommen nur auf Fleisch von Warmblütern, nicht aber auf Fisch, und auch nicht auf Nahrungsmittel wie Eier, Honig oder Milch.

Eine andere Form des gemäßigten Vegetarismus ist vor allem unter Jugendlichen sehr beliebt - vor allem, weil sie so schön einfach wie verlockend zugleich ist. Pudding-Vegetarier ernähren sich zwar fleischlos, ansonsten halten sie aber nicht allzuviel von Verzicht und Disziplin. Fleischlos ernährt man sich als Pudding-Vegetarier hauptsächlich aus ethischen und moralischen Gründen, die Gesundheit aber steht im Hintergrund. Die Wurst-Theke ist also tabu, das Süßigkeitenregal wird durchaus sehr gerne besucht. Auch fleischlose Fertigprodukte sind in Ordnung, die Obst-und-Gemüse-Abteilung ist nicht ganz so wichtig.

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Yagharek, 07.08.2010
1.
Zitat von sysopDie Rechnung scheint klar: Fleischproduktion für den massenhaften Verzehr hat eine ungünstige Ökobilanz, verursacht große Kosten und Schäden. Wie sähe eine Alternative aus? Ist Vegetarismus die Lösung? Oder genügt einfach ein größeres Qualitätsbewusstsein - weniger, besser, gesünder?
Vegatarismus wäre die Ideallösung, aber noch lange nicht umsetzbar. Daher ist es wichtig, die Qualität massiv höher zu setzen und alles Fleisch, was kein Bio-Fleisch ist, gehört verboten. Ich selber habe mich entschieden, nurnoch tierische Produkte zu essen, die mindestens den Bio-Standards erfüllen. Dadurch kann ich mir zwar nicht mehr täglich Fleisch leisten, was aber meiner Figure und meinem Wohlbefinden sehr zu gute kam. Bewußte Ernährung zahlt sich aus.
rkinfo 07.08.2010
2. Wirtschaftswachstum und Freßwelle der 50er Jahre
Zitat von sysopDie Rechnung scheint klar: Fleischproduktion für den massenhaften Verzehr hat eine ungünstige Ökobilanz, verursacht große Kosten und Schäden. Wie sähe eine Alternative aus? Ist Vegetarismus die Lösung? Oder genügt einfach ein größeres Qualitätsbewusstsein - weniger, besser, gesünder?
[QUOTE=sysop;5993063]Die Rechnung scheint klar: Fleischproduktion für den massenhaften Verzehr hat eine ungünstige Ökobilanz, verursacht große Kosten und Schäden. Wie sähe eine Alternative aus? /QUOTE] Sobald arme Länder zu Wohlstand kommen wird auch Fleisch massiv zusätzlich nachgefragt. Boomregionen in China kommen auf +10% Fleischbedarfzuwachs/ Jahr. Das war bei uns in den 50er Jahren nicht anders. Zudem haben wir heute ca. 500 Mill. Menschen die in der Landwirtschaft arbeiten aber mittelfristig kaum von den Paar Kröten für Weizen oder sonstiges Billigstzeug vom Acker leben können. 'Futtermittel' sind natürlich bzgl. Flächen- und Resourchenbedarf äußerst kritisch und könnten 2050 locker 2/3 der verfügbaren Agrarfläche der Welt belegen. Das wäre etwa eine Verdoppelung der heutigen globalen Anbaufläche. Schon eine kritische Sache wenn man den heutigen Billigpreis für Agrarprodukte vom Acker berücksichtigt. Aber die globale Freßwelle kommt mit Sicherheit im Gefolge des globalen Wachstums. Und bei ca. $2 je kg Geflügel, ca. $3 je kg Schweinefleisch und ca. $5 je kg Rindfleisch im Großhandel je kein großer Betrag für die Familien.
Petra Raab 07.08.2010
3.
Zitat von sysopDie Rechnung scheint klar: Fleischproduktion für den massenhaften Verzehr hat eine ungünstige Ökobilanz, verursacht große Kosten und Schäden. Wie sähe eine Alternative aus? Ist Vegetarismus die Lösung? Oder genügt einfach ein größeres Qualitätsbewusstsein - weniger, besser, gesünder?
Absolut! Nur ein paar Gründe: -Wir füttern Millionen von Tier und lassen dadurch Millionen Menschen verhungern -Der Wasserverbrauch für eine fleischliche Ernährung ist zu hoch -Wir benötigen zu viel Fläche für eine fleischliche Ernährung - was uns den Regenwald kostet Ökologische Folgen des Fleischkonsums (http://www.vegetarismus.ch/info/oeko.htm) Die Ausbeutung der Erde (http://www.youtube.com/watch?v=fM8ixs4BHpE)
sappelkopp 08.08.2010
4. Welt verbessern?
Keine Ahnung, ob die Welt besser wäre, wenn wir auf das Fleisch verzichten. Auf jeden Fall hätten wesentlich mehr Menschen etwas zu essen.
kyon 08.08.2010
5. Mäßigung , Imageverschlechterung und Preiserhöhung
Zitat von sysopDie Rechnung scheint klar: Fleischproduktion für den massenhaften Verzehr hat eine ungünstige Ökobilanz, verursacht große Kosten und Schäden. Wie sähe eine Alternative aus? Ist Vegetarismus die Lösung? Oder genügt einfach ein größeres Qualitätsbewusstsein - weniger, besser, gesünder?
Wenn ich den Ausdruck "Vegetarismus" lese, wird mir speiübel, weil sich dahinter ein fanatisches Extrem verbirgt, das wie alles Fanatische grundsätzlich fragwürdig ist. Die vernünftige Lösung wäre Mäßigung, wie von Ihnen am Ende angeboten,z.B. bessere Aufklärung als Beitrag zu einem veränderten Bewußtsein im Umgang mit Nahrungsmitteln, Verschlechterung des Images des Fleischessens und drastische Auflagen in der Fleischproduktion zur Erhöhung der Preise. Was das Problem mit der hungernden Weltbevölkerung angeht, empfehle ich mehr Bildung und weniger Religion zur Reduzierung der Zahl der Menschen, die versorgt werden müssen.
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