Verbrechensbekämpfung Künstliche DNA soll Einbrecher überführen

Cleverer Schachzug gegen Verbrecher: Die Bremer Polizei will Dieben mit künstlicher DNA das Handwerk legen. Die flüssige Substanz haftet auf gestohlenen Gegenständen, Fingern und Kleidung der Täter. In Großbritannien wird das "Wundermittel" bereits gefeiert.


Bremen - Einbrecher in Bremen sollen in Zukunft besonders schwer haben: Als erstes Bundesland will der Stadtstaat sogenannte künstliche DNA einsetzen, um Täter und ihre Beute aufzuspüren. Mit dem unsichtbaren flüssigen Stoff können Wertgegenstände individuell gekennzeichnet und im Fall eines Diebstahls später dem Besitzer zugeordnet werden, teilte der Bremer Senat am Dienstag mit. Dieben hafte die künstliche DNA an den Fingern oder Kleidungsstücken und sie könnten als Täter überführt werden.

Einbrecher: Künstliche DNA auf Wertgegenständen soll Diebe überführen
Corbis

Einbrecher: Künstliche DNA auf Wertgegenständen soll Diebe überführen

Künstliche DNA ist eine unsichtbare Substanz, die unter ultraviolettem Licht sichtbar wird. Mit dem Erbgut von Lebewesen hat sie zwar nicht viel gemein. Doch die Entwickler nannten sie DNA, weil keine produzierte Charge der anderen entspricht, ebenso wie jedes Erbmaterial individuell ist. Die Substanz hafte dauerhaft an Gegenständen und verbleibe sechs Wochen auf der Haut, färbe aber nicht ab und sei nicht gesundheitsschädlich, wie die Bremer Polizei erläuterte. Polizeibeamte können sie mit einer speziellen Taschenlampe erkennen.

"Im Labor werden die Gegenstände dann untersucht", erklärte Ronald Walter, Pressesprecher der Polizei Bremen zu SPIEGEL ONLINE, "und können aufgrund der unterschiedlichen Chargen dann ihrem jeweiligen Besitzer zugeordnet werden." Angesichts guter Erfahrungen mit künstlicher DNA in den Niederlanden und Großbritannien habe Bremen sich zu einem Test entschlossen.

Nun sollen bis Ende April besonders einbruchgefährdete Wohngebiete für ein Pilotprojekt ausgewählt werden. Zudem will die Polizei Sponsoren und Partner gewinnen, um die pro Haushalt etwa 60 Euro teure Substanz zu finanzieren. Dann sollen die Bürger ihre Wertsachen mit ihrer persönlichen Charge der künstlichen DNA bepinseln oder besprühen. Zudem sollen Schilder in den Hausfenstern den Einsatz der Kunst-DNA explizit ankündigen und so Räuber abschrecken. Später will die Polizei allen Bürgern den Einsatz der Substanz ermöglichen.

"Die kriminelle Szene verunsichern"

Bremen gilt als Hochburg von Einbruch und Diebstahl: Von jährlich 88.000 Straftaten sind laut Innensenator Ulrich Mäurer 55.000 Eigentumsdelikte. Jedes Jahr gebe es rund 37.000 sogenannte Diebstähle unter erschwerenden Umständen, wie Autoaufbrüche, Einbrüche und Fahrraddiebstähle. Damit liegt Bremen laut Mäurer unter den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern seit vielen Jahren einsam an der Spitze. Daran solle sich etwas ändern, sagte der Senator und setzt auf die Wirksamkeit "dieses Wundermittels".

Der stellvertretende Leiter der Schutzpolizei, Dirk Fasse, fügte hinzu: "Wir wollen eine Verunsicherung der kriminellen Szene erreichen." In Großbritannien sei die Substanz seit mehr als acht Jahren im Einsatz. Polizeibekannte Straftäter seien per Brief darauf aufmerksam gemacht worden. Laut Begleitforschung habe es in markierten Wohnbereichen praktisch keine Einbrüche mehr gegeben. Zwar seien sie dafür in anderen Gebieten häufiger geworden, unter dem Strich hätten sich die Fallzahlen aber um 80 Prozent reduziert. Fasse verwies auf eine Befragung unter 101 Inhaftierten. 91 Prozent kannten die künstliche DNA, und 74 Prozent erklärten, dass Hinweisschilder sie von der Tat abgeschreckt hätten.

Die Bremer Polizei konzentriert sich zunächst auf Wohnungseinbrüche. Es seien aber auch viele andere Einsatzfelder denkbar. In Großbritannien werde das Mittel auch in Schulen und Hochschulen eingesetzt. Außerdem könnten Täter bei Tankstellen-Überfällen oder Bankraub mit einer DNA-Dusche markiert werden, zum Beispiel mit Behältern über den Türen. Die Polizei könne sie dann anhand der Spur überführen.

hei/AP/dpa



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