Uno-Tagung in Äthiopien Eine Kampfdrohne kaufen - oder 113.000 Malariakranke retten?

Die Uno sucht diese Woche nach Geld für Entwicklungsfinanzierung. Rechnungen zeigen, welch große Wirkung winzige Einsparungen beim Rüstungsetat haben könnten.
MEADS-Abwehrsystem: Ausgaben entsprechen Jahresetat des Kinderhilfswerks Unicef

MEADS-Abwehrsystem: Ausgaben entsprechen Jahresetat des Kinderhilfswerks Unicef

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

"In Addis Abeba muss es losgehen", sagt Jeffrey Sachs, wissenschaftlicher Berater von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auf der Uno-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung diese Woche in der Hauptstadt Äthiopiens müsse endlich das Geld zusammenkommen, um Armut entscheidend zu mindern.

Damit bis 2030 Hungerleid beseitigt werden kann, braucht es in den kommenden 15 Jahren jährliche Investitionen in Höhe von 241 Milliarden Euro, erklärte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO in ihrem Bericht zur Entwicklungskonferenz.

Sollten hingegen die Investitionen auf dem derzeitigen Stand bleiben, müssten in 15 Jahren mehr als 650 Millionen Menschen weiterhin Hunger leiden. Derzeit sind es nach Angaben der Uno etwa 800 Millionen Menschen.

Was wurde aus den großen Zielen?

Umgerechnet müssten für jeden Armen weltweit jährlich 160 Dollar aufgebracht werden, stellte die FAO fest. Der Preis für den Kampf gegen den Hunger sei vergleichsweise niedrig.

Acht sogenannte Millenniumsziele hatte die Uno zur Jahrtausendwende beschlossen, dieses Jahr sollten sie erreicht sein. Doch ob Sieg gegen Hunger, Aids oder Malaria, die Senkung der Kindersterblichkeit oder bessere Schulbildung - zwar gibt es Fortschritte, doch die Ziele wurden verfehlt.

Mittlerweile hat die Uno sich auf 17 neue sogenannte Nachhaltigkeitsziele  geeinigt. Verbände von Nichtregierungsorganisationen aber fordern ein weiteres - es soll das Erreichen der anderen ermöglichen: "Die Staaten müssen ihren Militäretat um zehn Prozent kürzen", verlangen World Future Council  (WFC) und Bureau International Permanent de la Paix  (IPB).

Bereits 1987 hatte die Uno erklärt, dass sich Aufrüstung und soziale Stabilität auf Dauer nicht vereinbaren ließen. Doch heute gäben die Staaten mehr Geld für Rüstung aus als während des Kalten Kriegs, kritisieren WFC und IPB. Hingegen erreichten viele nicht mal die Minimalvorgabe der Uno, 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Entwicklungsfinanzierung zu investieren.

Was alles möglich wäre

Eine Expertengruppe soll im Auftrag der Uno ein Verfahren entwickeln, wie Rüstungsgelder umgelenkt werden könnten, fordern die Verbände. WFC und IPB rechnen vor, welche Hilfsprojekte mit Einsparungen von Rüstungsgütern möglich wären:

  • Für die Kosten einer Kampfdrohne MQ-9 "Reaper" von 15,3 Millionen Euro könnte 113.000 Malariakranken das Leben gerettet werden - eine Behandlung kostet laut Weltgesundheitsorganisation 135 Euro.
  • Anstatt eines Eurofighters "Typhoon" für 180 Millionen Euro könnten 10.900 Einraumschulen in Afrika gebaut werden. Schon eine Flugstunde mit dem Kampfflugzeug koste mehr als vier solcher Schulen.
  • Für den Preis eines Schützenpanzers "Puma" von 8,85 Millionen Euro ließen sich 804 Brunnen in afrikanischen Dörfern südlich der Sahara erschließen.
  • Um die Bildungsziele der Weltgemeinschaft zu erreichen, fehlten 39 Milliarden Dollar, erklärt der WFC unter Berufung auf die Uno. Mit lediglich 2,2 Prozent der weltweiten Militärausgaben eines einzigen Jahres ließe sich die Lücke schließen.
  • Das von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geplante Luftabwehrsystem Meads könnte den gesamten Jahresetat des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) decken - es blieben sogar gut 200 Millionen Euro übrig.
  • Mit den 28,3 Milliarden Euro für die Erneuerung der britischen mit "Trident"-Raketen bestückten U-Boote könnten im Amazonasgebiet eine Fläche der 3,4-fachen Größe Belgiens wiederaufgeforstet werden.
  • Für die Kosten des US-Flugzeugträgers "Bush" von 5,7 Milliarden Euro könnten 39 Millionen afrikanische Kinder ein Jahr lang mit Essen für die Schule versorgt werden. Auch Griechenland könnte geholfen werden, erklären WFC und IPB: Für die 2014 bei Rheinmetall bestellte Panzermunition im Wert von 52 Millionen Euro könnten 100.000 Griechen, die in Armut leben, jeweils 520 Euro Soforthilfe bekommen.

Die dritte Uno-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung tagt bis Donnerstag. Alleine während der Dauer der Tagung, mahnt der World Future Council, steckten die Staaten den sechsfachen Jahresetat von Unicef in Rüstungsgüter.

Der Autor auf Twitter:

http://axelbojanowski.de/

Uno-Millenniumsziele

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