Vereinte Nationen US-Initiative für Klonverbot abgeschmettert

Die USA haben im Streit um das Klonen von Menschen eine Niederlage erlitten. Die Vereinten Nationen haben die Entscheidung über das von Washington geforderte Totalverbot um zwei Jahre vertagt - und damit auch die Chance verpasst, gewagte Experimente zu unterbinden.


Genforscher mit DNS-Sequenzen: Abstimmung über weltweites Verbot verhindert
DPA

Genforscher mit DNS-Sequenzen: Abstimmung über weltweites Verbot verhindert

Die Entscheidung war denkbar knapp: Mit 80 zu 79 Stimmen bei 15 Enthaltungen nahm der Rechtsausschuss der Uno-Vollversammlung einen Vorschlag an, der ausgerechnet von der Regierung Irans eingebracht worden war. Das Land, auf der Weltkarte von US-Präsident George W. Bush der "Achse des Bösen" zugehörig, hatte beantragt, die Entscheidung über ein Verbot des Klonens menschlicher Zellen um zwei Jahre zu verschieben. Dadurch hatten die Mitgliedsstaaten keine Chance mehr, über den von den USA unterstützten Vorschlag Costa Ricas abzustimmen, alle Formen des menschlichen Klonens weltweit zu verbieten.

Das Votum zeigte erneut die tiefe Spaltung der Uno bei der Frage des Klonens von Menschen. Während die von den USA angeführte Staatengruppe alle Formen entsprechender Forschung unterbinden will, befürwortet die von Deutschland und Frankreich angeführte Fraktion lediglich ein Verbot des Klonens zu Fortpflanzungszwecken. Therapeutisches Klonen soll dagegen nach dem Willen der liberalen Gruppe, zu der auch Großbritannien zählt, weiterhin erlaubt sein.

Erleichterung in London, Streit in Berlin

Der stellvertretende US-Botschafter James Cunningham behauptete, dass 100 Nationen die Position der USA unterstützten und die Gegner eine Abstimmung nur aus Angst vor einer Niederlage verhindert hätten. Die Regierung Großbritanniens, ansonsten treu an der Seite der USA, äußerte sich dagegen erleichtert: Sie werde weiterhin die Erforschung des therapeutischen Klonens unterstützen, hieß es in einer Stellungnahme. "Es ermöglicht vielen Patienten und ihren Familien die Hoffnung auf lebensrettende Therapien."

In Berlin sorgt die Taktik der Bundesregierung bei den Uno-Verhandlungen dagegen schon seit Wochen für Ärger, sogar von einer Missachtung des Parlaments war die Rede. Der Bundestag hatte sich erst im Februar mit großer Mehrheit für ein weltweites Verbot sowohl des reproduktiven als auch des therapeutischen Klonens ausgesprochen.

Beobachter gingen davon aus, dass das Verhalten der Uno sowohl unter Wissenschaftlern als auch unter Klon-Gegnern auf Kritik stoßen wird, da es weiterhin Raum für gewagte Experimente lässt. So waren etwa im Oktober US-Forscher nach China ausgewichen, um einer Frau Embryos einzupflanzen, die mit einer dem Klonen ähnlichen Methode hergestellt wurden. Die Föten starben im Alter von sechs bis sieben Monaten. Der US-Mediziner Panos Zavos hatte jüngst angekündigt, bei einer Frau noch in diesem Jahr eine Schwangerschaft mit einem geklonten Embryo einzuleiten. Der italienische Gynäkologe Severino Antinori hatte gar behauptet, ein von ihm geklontes Baby sei bereits im Januar 2003 zur Welt kommen. Beweise blieb Antinori allerdings schuldig.

Markus Becker



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