Verhütung ohne Hormone Spermien haben einen Eiweiß-Schlüssel

Was das Spermium zur Verschmelzung mit einer Eizelle beiträgt, war lange ein Rätsel. Jetzt haben Japanische Forscher auf seinem Köpfchen ein Eiweiß entdeckt, das für die Befruchtung entscheidend ist. Neue hormonfreie Verhütungsmittel könnten hier ansetzen.


Spermien: Eiweiß-Schlüssel auf der Stirn
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Spermien: Eiweiß-Schlüssel auf der Stirn

Da soll noch einmal jemand behaupten Männer seien nicht kompliziert. Seit Jahren versuchen Forscher nun schon den männlichen Anteil an der Befruchtung zu entschlüsseln. Doch welches Eiweiß letztendlich für die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle entscheidend ist, blieb lange ein Mysterium.

Jetzt sind Japanische Biologen dem Spermium auf die Schliche gekommen: Sie konnten beweisen, dass es nichts wird mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, wenn ein bestimmtes Eiweiß auf dem Köpfchen des Spermiums fehlt. Izumo nannten sie das kuppelnde Protein - nach einem japanischen Hochzeits-Schrein. Es sei vermutlich für die Haftung des Spermiums an der Oberfläche des Eis verantwortlich, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazins "Nature" (Bd. 434, S. 234).

Dem Spermium auf die Schliche gekommen

Masaru Okabe und seine Kollegen von der Osaka University hatten Gen-Mäuse gezüchtet, die dieses Protein nicht produzieren konnten. Obwohl die Spermien der Tiere unauffällig aussahen und sich normal bewegten, waren sie unfruchtbar. Umgekehrt konnten Mäuse, denen das Gen wieder eingepflanzt worden war, Nachkommen hervorbringen. Auch bei menschlichen Spermien konnten die Wissenschaftler ein solches Eiweiß ausmachen. "Unsere Entdeckung erlaubt uns nicht nur einen Einblick in die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, sie könnte auch zu Erfolgen bei der Behandlung von Unfruchtbarkeit und bei der Empfängnisverhütung führen ", schreiben die Biologen.

Bereits Mitte der 90er Jahre hatten Wissenschaftler geglaubt, am Ziel ihrer Suche nach dem entscheidenden Eiweiß angekommen zu sein. Sie hatten eine Gruppe von Genen entdeckt, die Proteine hervorbrachten, die als Schlüssel für die Verschmelzung in Frage kamen. Später mussten sie jedoch feststellen, dass sich auch Mäuse fortpflanzen konnten, denen die so genannten ADAM-Gene fehlten.

Mit einer solchen Enttäuschung müssen die Forscher bei Izumo wohl nicht rechnen. Masaru Okabe und seine Kollegen hätten eindeutig bewiesen, dass das Protein bei der Verschmelzung eine entscheidende Rolle spielt, schreiben Richard Schultz und Carmen Williams von der University of Pennsylvania in einem Begleitartikel in "Nature".

Ein mögliches Verhütungsmittel, das an Izumo ansetzt, müsste von Frauen eingenommen werden. Bis dahin scheint es jedoch noch ein weiter Weg zu sein. Die Entwicklung eines Medikament, das in der Lage sei, das Protein auf jedem einzelnen Spermium zu blockieren, sei eine große Herausforderung, sagte Peter Schlegel von der Cornell University dem US-Magazin "Wired".

Kristina Patschull



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