Vermutetes Krebsrisiko Hot-Dog-Studie beunruhigt US-Bürger

So manchem dürfte der Appetit auf Hot Dogs vergangen sein: US-Wissenschaftler hatten berichtet, dass die Snacks das Risiko erhöhen, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Deutsche Experten kritisieren die Studie, die in den USA für Aufregung sorgt.


Die Nachricht hat eines der Nationalgerichte der USA gründlich in Verruf gebracht: Hot Dogs erhöhen das Krebsrisiko, meldeten verschiedene Medien in den Vereinigten Staaten. Sie bezogen sich dabei auf eine Studie in der Fachzeitschrift "Journal of Agricultural and Food Chemistry". Deutsche Krebsforscher zweifeln indes die Ergebnisse an.

Hot Dogs: Sollen das Risiko für Dickdarmkrebs erhöhen
AFP

Hot Dogs: Sollen das Risiko für Dickdarmkrebs erhöhen

Hot Dogs enthielten zahlreiche Inhaltsstoffe, die das Erbgut verändern und so das Krebsrisiko erhöhen könnten, schreiben Sidney Mirvish von der University of Nebraska und seine Kollegen. Bereits frühere Studien hätten Dickdarmkrebs mit Hot Dogs in Verbindung gebracht, deswegen hätten sie nun die Leibspeise der US-Amerikaner begutachtet, berichten die Wissenschaftler.

Sie kauften in Supermärkten die Würstchen mit dem schlabberigen Toastbrot-Mantel, warfen diese dann in den Mixer und mischten Nitrite dazu. In dieser Masse fanden die Forscher nach eigenen Abgaben DNA-verändernde Substanzen. Dann gaben die Chemiker dem gemixten Brei noch Salmonellen hinzu - Bakterien, die beim Menschen Durchfall verursachen. Daraufhin hätte sich die Mutationsrate der DNA verdoppelt bis vervierfacht. Solche Erbgutveränderungen können Krebs mitauslösen. Im Darm würde sich so das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, erhöhen, folgern die Chemiker.

Deutsches Krebsforschungzentrum kritisiert die Studie

"Es gilt als gesichert, dass Fleischprodukte dieses Risiko erhöhen. Und Hot Dogs gehören nun mal dazu", sagte Jakob Linseisen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Von den Menschen, die viel rotes Fleisch, also das von Schwein, Rind und Schaf, sowie Wurst und andere Fleischprodukte essen, erkranken mehr an Dickdarmkrebs als von denen, die weniger Fleisch konsumieren. Das hätten laut Linseisen Auswertungen vieler Untersuchungen zum Thema gezeigt.

Auch die groß angelegte Studie European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition (Epic) hätte diese und andere Hypothesen bereits belegt, so Linseisen. Das DKFZ ist an dieser Langzeituntersuchung mit beteiligt.

Linseisen schätzt aber noch weitere Aspekte an der Studie von Mirvishs Team sehr kritisch ein. Da die Untersuchungen in einem Mixer und mit biochemischen Methoden durchgeführt wurden, fragt sich Linseisen, "inwieweit man die Ergebnisse überhaupt auf den Menschen übertragen kann". In der Forschung zur Krebsentstehung gebe es Zell- und Tierstudien sowie Beobachtungsstudien mit Menschen. Die Ergebnisse dieser verschiedenen Forschungsansätze stimmten aber nicht immer überein, erklärte er.

Und dann ist da noch der bekannte Spruch: Die Menge macht's. Niemand müsse künftig auf Hot Dogs verzichten, sagte Linseisen zu SPIEGEL ONLINE. Die Deutschen und Amerikaner würden im Schnitt sehr viel rotes Fleisch und Fleischprodukte essen. Der Wissenschaftler fordert, den Gesamtverzehr zu verringern, statt einen Bestandteil aus dem Angebot zu streichen.

fba



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