Verräterische Venus Astronomen datieren Van-Gogh-Gemälde

Wissenschaftler wollen die Entstehungszeit von Van Goghs "Weißes Haus bei Nacht" bis auf die Stunde bestimmt haben. Hilfreich war dabei die Venus.

San Marcos - Den Astronomen reichte für ihre Datierung ein gelber Fleck, der auf Vincent van Goghs "Weißes Haus bei Nacht"  zu sehen ist. Das nach dem Zweiten Weltkrieg verschollene Gemälde, das erst 1995 in einer Beutekunst-Ausstellung der Petersburger Eremitage wieder auftauchte, zeigt ein französisches Anwesen in der Abenddämmerung. Am Himmel strahlt ein einzelner Stern, bei dem es sich den Wissenschaftlern zufolge nur um den Planeten Venus handeln kann.

Die Chance, anhand des mit einem übergroßen Halo versehenen Lichtflecks die Entstehungszeit des Gemäldes zu bestimmen, scheint zunächst gering - immerhin galt der eigensinnige Stil des holländischen Autodidakten lange als Produkt einer überreizten Phantasie. Doch ausgerechnet die wenigen Nachtbilder Van Goghs dienen manchen Experten als Gegenbeweis: So wies etwa der Kunsthistoriker Albert Boime schon in den achtziger Jahren auf die astronomische Genauigkeit der berühmten "Sternennacht"  hin.

Auch Donald Olson von der Southwest Texas State University verteidigt die Beobachtungsgabe des Künstlers: "Ich war überrascht, wie sehr seine Bilder auf den wirklichen Verhältnissen beruhen", sagte er dem Fachmagazin "New Scientist". Um das "Weiße Haus bei Nacht" zu datieren, reiste der Astronom mit seinen Studenten nach Auvers-sur-Oise, wo Van Gogh das Bild vermutlich malte, und suchte nach dem "Weißen Haus".

Tatsächlich fand der Olson das Gebäude und konnte so die genaue Blickrichtung Van Goghs bestimmen. Damit berechnete der Astronom den genauen Zeitpunkt, zu dem die Venus an der im Bild dargestellten Stelle stand: am 16. Juni 1890 um 19 Uhr. Olson zufolge hat Van Gogh vermutlich einige Stunden gemalt, bevor er das Gemälde am Abend vollendete: "Den Schatten nach ist es Nachmittag, aber die Venus ging erst nach Sonnenuntergang auf."

Olson hat sich bereits in früheren Forschungsarbeiten mit den Wechselwirkungen zwischen Astronomie und Kunst beschäftigt. So fand er in einer Erzählung des englischen Schriftstellers Geoffrey Chaucer, der im 14. Jahrhundert lebte, Hinweise auf eine außergewöhnlich starke Flut an der Küste der Bretagne. Olson rechnete nach - und konnte für das Jahr 1340 eine seltene Konstellation von Sonne, Mond und Erde nachweisen, die eine solche Rekordflut verursacht haben könnte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.