Verstoßen Braune Zwerge hatten keine Chance

Sie gehören zu den tragischen Vertretern unter den Himmelskörpern: Als Sterne in die Welt gesetzt, bringen es Braune Zwerge lediglich zu einem unscheinbaren Dasein in den Tiefen des Alls. Doch warum?


Das Leben in den stellaren Kinderstuben ist hart. Als Zwillinge, Drillinge oder gar in noch größerer Zahl geboren, konkurrieren Stern-Geschwister um die knappe Nahrung. Sie wissen: Nur wer genügend Materie zu sich nimmt, wird später einmal groß und strahlend.

Verlierer in der stellaren Lotterie: Braune Zwerge benötigen zur Entstehung möglicherweise keine speziellen Konditionen
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Verlierer in der stellaren Lotterie: Braune Zwerge benötigen zur Entstehung möglicherweise keine speziellen Konditionen

Beim alltäglichen Kampf um das Essen kann schon mal ein Babystern auf der Strecke bleiben. Das zumindest glaubt Bo Reipurth. Der Astronom an der University of Colorado hat sich intensiv mit Braunen Zwergen beschäftigt, jenen Sternenleichen, die nie schwer genug wurden, um ihre Wasserstoffvorräte zum Brennen zu bringen.

"Braune Zwerge benötigen zu ihrer Entstehung keine speziellen Konditionen", sagt Reipurth. Da junge Sonnen meist als Doppelsterne, manchmal aber auch in Systemen mit mehr als fünf Himmelskörpern auf die Welt kommen, seien Auseinandersetzungen programmiert. "Kurz nach der Geburt beginnt ein Tauziehen zwischen den stellaren Embryos um die Möglichkeit, möglichst viel sternenbildende Materie anzuziehen."

Egal ob allein oder als Mehrlinge, Sterne bilden sich aus dichten Materiewolken, die auf Grund ihrer eigenen Gravitation kollabieren. Je massiver die Embryos sind, desto näher rotieren sie um das Zentrum der Molekülwolke. Gleichzeitig können sie auch mehr Materie aufnehmen.

Zu leicht geborene Sterne haben dagegen ein großes Problem: Ihre Schwäche bietet keinen Schutz gegen Gravitationskräfte, die sie begierig aus dem Zentrum der Wolken schleudern - und damit weg von der primären Nahrungsquelle. Auf diese Weise wachsen die Sterne langsamer.

"Unsere Berechnungen zeigen, dass das Herumtollen der stellaren Embryos immer damit endet, dass das leichteste Mitglied mit Gewalt aus der Gruppe geworfen wird", sagt Reipurth. Die Verbannung endet manchmal in einem lediglich etwas weiteren Orbit, in den meisten Fällen werden die Embryos aber komplett aus dem Sternensystem entfernt und in den Weiten des Alls ausgesetzt. Eine genaue Vorhersage sei allerdings nicht möglich, räumt der Astronom aus Colorado in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Astronomical Journal" ein.

Sterne müssen sich rund acht Prozent der Masse unserer Sonne aneignen, um die Kernreaktion in ihrem Innern zum Laufen zu bringen. "Wenn sie es nicht schaffen, zünden sie nicht", so Reipurth. Werden die Embryos nämlich sehr früh von ihren Geschwistern aus der Kinderstube geworfen, reicht der Babyspeck möglicherweise nicht, um den Wasserstoffbrenner anzuwerfen.

"Mit etwas mehr Glück in der stellaren Lotterie hätte ein Brauner Zwerg ein normaler, für Milliarden von Jahren leuchtender Stern werden können", ist Reipurth überzeugt. "Doch ohne Kernfusion sind die Zwerge dazu verdammt, für immer dunkel zu bleiben."

Alexander Stirn



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