Vertraulicher Bericht Iran besitzt Anleitung für Atomwaffen-Kern

Die iranische Regierung besitzt den Bauplan für den Kern einer Atombombe. Die Regierung in Teheran hat die Internationale Atomenergiebehörde darüber informiert, die Dokumente schon vor Jahren erhalten zu haben.


Teheran/Wien - Iran ist einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge im Besitz eines Bauplans für den Urankern einer Atomwaffe. Die mehrseitige Anleitung sei den IAEA-Inspektoren vom Iran übergeben worden, berichten mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Diplomaten.

Iranische Aufbereitungsanlage in Isfahan: Uran-Umwandlung wird fortgesetzt
REUTERS

Iranische Aufbereitungsanlage in Isfahan: Uran-Umwandlung wird fortgesetzt

Iran hat die Bauanleitung schon in den achtziger Jahren von pakistanischen Mittelsmännern erhalten, erklärte IAEA-Chef Mohammed al-Baradei heute vor den 35 Mitgliedern des Gouverneursrats der Atomorganisation. Die mehrseitige Anleitung beschreibt demnach präzise, wie Uran zum Kern einer Atomwaffe geformt wird. Die Regierung in Teheran habe der IAEA die Dokumente von sich aus übergeben - mit dem Hinweis, die brisanten Informationen weder erbeten noch benutzt zu haben.

Die Bauanleitung soll von Personen mit Kontakten zum internationalen Atomtechnik-Schwarzmarkt des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Qadir Khan stammen. Die Dokumente sollen auch Pläne zur Herstellung von Gaszentrifugen enthalten, mit denen Uran bis zur Atombombenfähigkeit angereichert werden kann.

Das Auftauchen der Bauanleitungen dürfte im Westen das Misstrauen gegen Iran weiter schüren, zumal die IAEA in dem Bericht kritisiert, dass die Zusammenarbeit mit dem Land weiterhin zu wünschen übrig lässt. Es seien immer noch viele Fragen offen, und eine umfassende Transparenz sei nach wie vor nicht gegeben.

Iran setzt Uran-Umwandlung fort

Die iranische Regierung bestärkte die Zweifel noch, indem sie bestätigte, in der Aufbereitungsanlage Isfahan eine neue Uran-Charge in Uran-Hexafluorid (UF6) umwandeln zu wollen. Die Fortsetzung der Konversion - einer Vorstufe der Anreicherung - verschärft nach den Worten eines Sprechers des US-Außenministeriums das Misstrauen gegenüber Iran. Auch Frankreich sprach von einem falschen Signal. "Die Konversion trägt nicht zur Schaffung eines Klimas des Vertrauens zwischen Iran und der internationalen Gemeinschaft bei", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Paris.

Noch im Laufe des heutigen Freitags sollten in London Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens mit Vertretern der USA, Russlands und Chinas über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit Iran beraten. Im Zentrum dürfte ein russischer Kompromissvorschlag stehen, den auch US-Präsident George W. Bush als hilfreich bezeichnet hat.

Kompromissvorschlag aus Moskau

Dem Plan des russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge soll der Iran die Uranverarbeitung fortsetzen dürfen, wenn das Land im Rahmen einer Zusammenarbeit die Anreicherung Russland überlässt. Der Anreicherungsprozess gilt als besonders heikel, weil mit dem so verarbeiteten Uran auch Atomwaffen hergestellt werden können.

Nach den russischen Vorstellungen soll ein Gemeinschaftsunternehmen entstehen, das Uran anreichert und den atomaren Brennstoff dann weltweit verkauft. Russland und Iran wären je zur Hälfte beteiligt. In Iran solle Uran in der Atomanlage Isfahan zu Uran-Hexafluorid umgewandelt werden. Das Gas könne dann nach Russland transportiert und dort angereichert werden.

Der Streit um das iranische Atomprogramm war im Sommer eskaliert, als die Regierung in Teheran entgegen einer Vereinbarung von 2004 vorbereitende Arbeiten zur Uran-Anreicherung wieder aufgenommen hatte. Der Gouverneursrat der IAEA beschloss daraufhin, den Atomstreit an den Uno-Sicherheitsrat zu überweisen, ließ den Termin dafür aber noch offen. Das nächste Treffen des Gouverneursrates findet am kommenden Donnerstag statt.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.