Viagra Hochpotent und trotzdem impotent

Viagra kann die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen. Nach Aussagen britischer Forscher senkt das Potenzmittel die Fähigkeit der Spermien, in die Eizelle einzudringen - eine Befruchtung wird so erschwert.


Potenzpillen Viagra: Befruchtung erschwert

Potenzpillen Viagra: Befruchtung erschwert

Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil könnte die Zeugungsfähigkeit von Männern vermindern, glauben Wissenschaftler von der Queen's University Dublin. Die Medizinerin Sheena Lewis berichtete auf einem Treffen der British Fertility Society, dass Viagra zwar die Beweglichkeit der Spermien verbessere, jedoch gleichzeitig den chemischen Prozess unterminiere, der ein Befruchten der Eizelle ermöglicht.

Wenn das Spermium die Eizelle erreicht, setzt normalerweise die so genannte akrosomale Reaktion ein. Dabei werden bestimmte Enzyme freigesetzt, die die äußere Schutzhülle des Eis auflösen, so dass das Spermium in die Eizelle eindringen kann. Tritt die Reaktion verfrüht ein, haben die Spermien ihr Pulver beim Erreichen der Eizelle bereits verschossen und sind dann unfruchtbar. Eine solche verfrühte Reaktion kann durch den Viagra-Wirkstoff Sildenafil begünstigt werden, fanden die Belfaster Forscher um Sheena Lewis heraus.

Die Wissenschaftler hatten 45 Samenproben untersucht, von denen die Hälfte mit Viagra behandelt worden war. Unter dem Einfluss des Potenzmittels hatten knapp 80 Prozent der Spermien die akrosomale Reaktion vollständig abgeschlossen, ohne eine Eizelle erreicht zu haben. Die Ergebnisse der Untersuchung werden von Studien an Mäusen untermauert: Das Potenzmittel führt auch bei den Nagern zur Befruchtung von deutlich weniger Eiern.

Als Viagra 1998 auf den Markt kam, sagte Lewis, sei das Medikament vor allem für ältere Männer gedacht gewesen, die keine Kinder mehr wollten. Heute werde es genutzt, um den Sex zu verbessern. "Wir wollen vermitteln, dass man aufpassen sollte, wenn man derartige Medikamente nimmt und eine Familie gründen will", betonte die Ärztin.

Ihr Kollege David Glenn wies darauf hin, dass in der Hälfte der Behandlungszentren für ungewollt Kinderlose Viagra zur Unterstützung der Samenbildung eingesetzt wird. "Unsere Studie stellt diese Praxis in Frage", sagte er.

John Dean von der Europäischen Gesellschaft für Sexualforschung betrachtet die jüngste Studie jedoch mit Skepsis. Laborexperimente spiegelten oft nicht das wieder, was im Körper tatsächlich stattfinde, sagte er den Newsdienst BBC Online. "Kinderlose Paare sollten sich bewusst sein, dass in den fünf Jahren, seit Viagra verfügbar ist, noch keine allgemein die Fruchtbarkeit schädigenden Effekte beobachtet wurden." Weiter sagte er: "Es wäre wirklich schlimm, wenn jetzt durch unnötig panische Schlagzeilen Leute von einer Behandlung abgehalten würden, die ihnen durchaus helfen könnte."



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