"Viking Sky" Niedriger Öldruck brachte Kreuzfahrtschiff in Seenot

Nach der dramatischen Rettungsaktion am Wochenende ist nun geklärt, warum das Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" beinahe verunglückt ist. Eine Rolle dabei spielten auch hohe Wellen.

In Seenot geratenes Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" erreicht den norwegischen Hafen Molde
DPA

In Seenot geratenes Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" erreicht den norwegischen Hafen Molde


Das Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist am Wochenende wegen niedrigen Öldrucks in Seenot geraten. Der Druck sei zwar noch innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen, aber relativ niedrig gewesen, als das Schiff durch ein gefährliches Gebiet an der norwegischen Küste gefahren sei, teilte Lars Alvestad, Direktor der norwegischen Seefahrtbehörde mit.

Es könne vorläufig festgestellt werden, dass der geringe Öldruck die direkte Ursache der Motorprobleme des Schiffs gewesen sei, so Alvestad. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätten dabei auch die schwierigen Verhältnisse auf dem Wasser eine Rolle gespielt.

Durch die vom Sturm aufgewühlte See wären die Öltanks so stark bewegt worden, dass die Schmierölpumpen die Motoren nicht mehr ausreichend versorgt hätten. Das habe einen Alarm wegen niedrigen Öldrucks ausgelöst, kurz darauf hätten sich die Motoren automatisch abgeschaltet.

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Die Reederei Viking Cruises teilte laut dem norwegischen Rundfunk NRK mit, sie schätze die schnellen und effektiven Untersuchungen der Seefahrtsbehörde. Auf allen Schwesterschiffen seien die Schmierölstände überprüft worden. Nun würden Verfahren des Unternehmens geprüft, um sicherzustellen, dass dieses Problem nicht noch einmal auftrete.

Während einer zwölftägigen Kreuzfahrt war die "Viking Sky" am Samstag im Küstengebiet Hustadvika in Seenot geraten. An Bord befanden sich zu dem Zeitpunkt 1373 Menschen. Zu den Reisenden zählten überwiegend Briten und Amerikaner, aber auch zwei Frauen mit deutschem Pass.

Fast 500 Menschen wurden per Hubschrauber an Land geholt, die restlichen Passagiere und Besatzungsmitglieder erreichten am Sonntagnachmittag mit dem zu dem Zeitpunkt wieder antriebsfähigen Schiff den Hafen der Kleinstadt Molde - mehr als 24 Stunden nach dem abgesetzten Notruf.

"Viking Sky" soll im April wieder auf Kreuzfahrt gehen

Am Mittwoch fuhr die "Viking Sky" von Molde in eine Werft nach Kristiansund, wo mehrere Schäden des Schiffes ausgebessert werden sollten. Die Reederei hofft nach Angaben der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, dass das Schiff schon im April wieder auf Kreuzfahrt gehen kann. Eine Reise durch Skandinavien und über den Nord-Ostsee-Kanal, die eigentlich am Mittwoch beginnen sollte, war abgesagt worden.

Nach dem glimpflichen Ausgang des Dramas wurde in Norwegen darüber diskutiert, ob das Schiff bei dem Sturm wirklich hätte unterwegs sein sollen. Ein beteiligter Lotse und die Küstenwache verteidigten die Entscheidung, Schifffahrtsexperten zogen sie dagegen in Zweifel. In der Hustadvika ist es schon häufiger zu Schiffsunfällen gekommen. Die "Viking Sky" drohte vorübergehend, in dem Gebiet auf Grund zu laufen.

jme/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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sok1950 28.03.2019
1. steht in jedem Handbuch für Schiffsmotoren
dass bei Seegang und "Schieflage" die Ölschmierung abreißen kann und den Motor beschädigt. Wer dann noch im unteren Ölstands-Limit fährt ist nicht nur fahrlässig, dass ist kriminell.
l/d 28.03.2019
2. Eine Trockensumpfschmierung sollte so etwas
eigentlich verhindern. Weswegen werden wohl Fahrzeuge, bei denen der Ölstand durch Untergrund oder Fahrbedingungen (Trägheit) in einer Ölwanne viel zu stark schwanken würde, mit solch einer Schmierung ausgerüstet. Ich denke, das gilt auch für Schiffsmotore, aber wenn das Reservoir der Trockensumpfschmierung selbst fast leer ist, dann ist das wohl grob fahrlässig.
Kaiserstuhlwinzer 28.03.2019
3. das Problem läßt sich relativ leicht beheben,
in dem man die Schmieröltanks nicht breit und flach, sondern schlank und hoch macht. Aber hier hat wohl die tatsächliche Schräglage die "design-Schräglage" überschritten. Sollte behebbar sein.
jamguy 28.03.2019
4.
Zitat von sok1950dass bei Seegang und "Schieflage" die Ölschmierung abreißen kann und den Motor beschädigt. Wer dann noch im unteren Ölstands-Limit fährt ist nicht nur fahrlässig, dass ist kriminell.
fahrlässig waren die Ingenieure weil das zwingend in die elektronische Überwachung des Systems gehört !
manicmecanic 28.03.2019
5. seltsam
Was man zu den Ursachen liest.Es war doch ein fast neues Schiff?Dann kann der Ölstand eigentlich kaum so niedrig gewesen sein,das andere ist die automatische Abschaltung.Obwohl der Stand noch im erlaubten Bereich war schaltet also die Automatik trotzdem ab und die Crew schaffts nicht die Motoren einfach an der Automatik vorbei wieder zu starten?Was nun auch die Ursache war,es ist auf jeden Fall nicht vertraueneinflößend was die gemacht haben.
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